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tourben eben sofort mehr Waren dieser Art erzeugt, großer Vorbereitungen
bedurfte es dazu nicht; und dann sanken die Preise wieder. Sanken sie
zu stark, so wurde d:e Erzeugung dieser Waren nicht mehr lohnend, sie wurde
eingeschränkt, und die Preise stiegen wieder. Aber jetzt liegt doch die Sache
Tonnen Jahre vergehen, bis die Fabriken gebaut sind und
dre Waren erzeugt und verkauft werden können. In der Zwischenzeit weiß
keln? ensch, ob die Bauten und Maschinen, die da errichtet werden, später
verkäufliche Waren erzeugen werden oder etwas, wonach dann gar keine
oder nur mehr eine geringe Nachfrage sein wird, oder ob nicht soundso viele
Konkurrenten zugleich auch solche Werke bauen und dadurch die Preise
drucken werden." 1
„ "So, aber wie ist es denn dann erst, wenn die Preise nachher wirklich
unten. fragte Karl. „Wenn alle diese Bauten und Maschinen dastehen,
kann man fte doch nicht einfach ruhen lassen. Da stecken doch Dttllionen drin.
Der Schneider, Schuhmacher oder Bäcker entläßt ein paar Gehilfen und
schrankt seinen Betrieb em. Er macht dann natürlich weniger Gewinn, aber
™ T E 1 . 0 «) 'einen direkten Schaden. Aber wenn zum Beispiel in unserem
Werke die Maschinen stillstehen müßten, dann wäre das ein schöner Schaden
für die Besitzer. Die Maschinen werden durch das Stillstehen nicht besser.
Vor allem aber muß das Kapital, das in ihnen steckt, verzinst werden.
Woher aber die Zinsen nehmen, wenn nicht gearbeitet wird? Was geschieht
also dann, wenn das wirklich eintritt, was du uns da erzählt hast, wenn zu
bl - e l e , N?^n errichtet worden sind und jetzt infolgedessen ihre Produkte
nicht absetzen können?"
„Dann kommt der große Krach," antwortete ich, „die Krise. Sobald
die Preiw anfangen zu sinken, wird jeder einzelne Fabrikant erst recht
darauf aus fern, möglichst viele Aufträge zu ergattern, denn je größer die
Produktion um so billiger, und um so niedrigere Preise kann der Fabrikant
daher gewahren.
„Stber da jagen sich die Fabrikanten ja selbst nur nach schneller ins
Verderben", rief Wilhelm ganz entsetzt.
, „Freilich tun sie das," erwiderte ich, „aber das ist ja nicht das erstemal,
daß wir bemerken, wie die Kapitalisten dadurch ins Verderben rennen daß
seder den anderen zii besiegen, ihm einen Vorteil abzujagen sucht. Und so
sehen wir das hier wieder bestätigt. Natürlich muß dann der Krach mit um
io größerer Wucht kommen. Dann können die Fabrikanten auf einmal ihre
Rechnungen nicht mehr zahlen, sie stellen die Zahlungen ein, die Werke
stehen, die Arbeiter werden entlassen. Natürlich suchen die jetzt anderswo
unterzmommen und drücken dadurch auch die Löhne der anderen Arbeiter
Diese können daher keine neuen Kleider, Schuhe, Wäsche, Möbel u. s. w. an-
ichaifen und müssen ihren Bedarf an Lebensmitteln soweit wie nur irgend
möglich einschränken. Dadurch werden jetzt die Weber die
Schneider, die Schuhmacher, die Näherinnen, die Tischler, Bäcker,
Fleischer u.ß w. weniger beschäftigt, auch hier werden Arbeiter entlassen,
viele Fabnranten können ihren Verbindlichkeiten nicht mehr nachkommen
und gehen zugrunde. So tritt eine allgemeine Stockung ein. Die Fabri-
kanten, die bisher für die jetzt verkrachten Werke geliefert haben, finden
für ihre Waren keinen Absatz mehr, und zugleich werden ihre früheren
Rechnungen Nicht bezahlt. So reißt einer den anderen mit, Not und Jammer
werden allgemein. Am schwersten haben natürlich die Arbeiter zu leiden.
Solange die Geschäfte gut gingen, hatten sie oft Ueberzeit zu arbeiten, sie
mußten sich atemlos schinden und plagen. Jetzt haben sie Zeit, sich auszu-