Full text: Kapitalismus und Sozialismus

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Verhältnissen, unter denen jenes erzeugt wird. Hätten wir in Deutschland 
eine ebenso spärliche Bevölkerung, keine Militärlasten u. s. w., dann wäre 
unser Getreide gerade so billig wie das amerikaniM." _, r , 
„Da müssen wir also," fragte Karl, „erst unsere sozialen Verhaltmsw 
studieren, um zu verstehen, weshalb mein Hut 3 Mk. gekostet hat? Das ist 
aber ein weiter Weg! Und wie sollen wir denn das anfangen?" 
„Das ist freilich nicht so einfach," bestätigte ich, „besonders weil unsere 
jo furchtbar komplizierte Welt gar nicht zu verstehen ist, wenn man nicht ihre 
Wirtschaft, ihr inneres Räderwerk begreift." 
„Aber da drehen wir uns ja immer nur im Kreis", warf Wilhelm ern. 
„Gerade vorhin hast du uns gesagt, die Bildung des Wertes sei nur aus den 
sozialen Berhältnisse zu verstehen. Jetzt sagst du uns wieder, diese könne 
nian nur verstehen, wenn man die Wirtschaft begreift. Der Wert gehört aber 
doch zur Wirtschaft. Auf diese Art kommen wir gar nicht von der Stelle." 
„Das wollte ich gerade auch selber sagen, als du mich unterbrachst", er 
widerte äch ruhig meinem etwas zornig gewordenen Freunde. „Unsere 
heutigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse sind viel zu komplizierl. 
als daß man sie ohne weiteres untersuchen und verstehen könnte. Aber es 
geht einem ja auch ähnlich, wenn man in eine moderne große Fabrik tritt. 
Da kann sich der Laie noch so lange umschauen, er wird die Zusammenhänge 
nicht begreifen." 
„!Das ist wahr," bestätigte Karl, „wenn man in unsere Werkstatt kommt 
und den surrenden Rädern, stampfenden Rollen, den ächzenden Kränen und 
den sausenden Riemen zusieht, dann wird einem ganz wirr im Kopf: obwohl 
ich dock jetzt schon fast drei Jahre in der Fabrik beschäftigt bin, verstehe rch 
noch immer nicht das ganze Werk. Einiges hat mir einmal der „rote Max" 
expliziert: aber jetzt ist er schon lange nicht mehr dazugekommen." 
„Nun, und wie hat er das gemacht?" fragte ich. 
„Er hat mir gezeigt," antwortete Karl, „mit welchen Maschinen die 
Fabrik seinerzeit begonnen hat. Das sind natürlich die notwendigsten; seither 
weiß ich wenigstens, was das Wesentlichste und was als mehr nebensächlich 
anzusehen ist. Aber tue einzelnen Maschinen verstehe ich noch immer nicht. 
Da versprach mir Max, einmal mit mir in die „Urania" * *) zu gehen und 
mir dort die einfachen Modelle zu zeigen. Er meinte, dann werde ich auch die 
komplizierten Dkaschinen besser und leichter verstehen." 
„Da hat er auch ganz recht gehabt", bestätigte ich. „Sind doch auch die 
heutigen komplizierten Maschinen aus so einfachen hervorgegangen. So wie 
mir nun jene einfachen Formen zuerst untersuchen und verstehen müssen, be 
vor wir an die komplizierten herangehen dürfen, so müssen wir auch zuerst 
die einfachen Wirtschaftsverhältnisse und sozialen Zustände unserer Vorfahren 
studieren, wenn wir die Welt begreifen wollen, in der wir heute leben." 
„Nun, da nehmen wir wohl am besten die Zustände, aus denen mein 
Großvater hervorgegangen ist," schlug Wilhelm vor. „Die waren doch einfach 
genug. Ich habe sie euch ja schon einmal geschildert." 
„Warum hältst du die eigentlich für so besonders einfach?" fragte ich. 
„Erinnere dich doch nur," erwiderte Wilhelm, „wie einförmig damals 
das Leben gewesen sein mutz. Den hörigen Bauern floß ein Tag hin wie 
*) Volkstümliches, wissenschaftliches Institut in Berlin. 
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