Full text: Kapitalismus und Sozialismus

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größer, aber es kann ganz gut sein, daß 15 Zentner in einem unfruchtbaren 
Jahr sogar teurer sind, mehr Tauschwert haben als 20 in einem guten Jahr. 
Um Verwechslungen zu vermeiden, wollen wir unter Wert immer nur den 
Tauschwert verstehen, den sogenannten „Gebrauchswert" aber als Nützlichkeit 
bezeichnen." 
,,Das ist ja richtig," bestätigte Karl, „wenn sich jemand beschwert, daß 
alle Lebensmittel teurer werden, dann heißt es immer, das Wetter im letzten 
Zommer war zu heiß oder zu kalt, es war zu naß oder es war zu trocken." 
„Nun, das ist ja meistens nicht ganz wahr: denn die Teuerung hat 
heute meist noch ganz andere Gründe; aus die können wir erst später zu 
sprechen kommen; aber so viel könnt ihr doch daraus ersehen, daß es allge 
mein bekannt ist, daß in einem schlechten Jahr die Bodenprodukte alle teurer 
sind als in einem guten." 
„Wenn aber nun," begann Wilhelm wieder mit seinen Einwänden, 
„ein Schneider zum Beispiel geschickter und flinker ist als der andere, wenn 
der eine zum Beispiel drei Röcke in derselben Zeit anfertigt, in der der 
andere nur zwei fertigstellen kann, dann müßten doch die zwei Röcke ebenso 
viel Tauschwert haben wie die drei, die der flinkere Arbeiter gemacht hat. 
Das ist doch unmöglich." 
„Diese Bemerkung ist vollkommen richtig," erwiderte ich, „und sie 
führt uns wieder zu einer wichtigen Ergänzung unseres Wertgesetzes. Wir 
müssen uns da wieder fragen, ob dieser Unterschied durch die Konkurrenz 
ausgeglichen wird." 
„Ja, was verstehst du denn da unter Konkurrenz?" fragte Wilhelm. 
„Ich habe bisher immer geglaubt, die Konkurrenz besteht darin, daß ein 
Kaufmann billiger verkauft als der andere, um ^hm die Kunden weg 
zufischen. Aber was hat denn das mit unseren zwei Schneidern zu tun?" 
„Was du da meinst," entgegnete ich, „ist nur eine bestimmte Form der 
Konkurrenz. Diese liegt überall dort vor, wo Kaufleute, Gewerbetreibende, 
Industrielle, Bauern u. s. to., aber auch die Konsumenten, kurz alle, die ernt 
Wirtschaftsleben beteiligt sind, sich dieselben Vorteile zu verschaffen suchen, 
die einer oder mehrere von ihnen voraus haben. Bleiben wir bei unserem 
früheren Beispiel von den 3000 Röcken und 700 Hüten, die statt 2000 Röcken 
und 1000 Hüten erzeugt worden sind. Dann wird es für jeden Schneider ein 
Vorteil sein, seine Ware los zu werden; denn da zu viele Röcke da sind, werden 
nicht alle verkauft werden können .Um diesen Vorteil werden sich aber alle 
zugleich bemühen, indem es einer so zu machen sucht wie der andere; wenn 
einer die Preise herabsetzt, müssen es die anderen auch, und so reißen sie sich 
gegenseitig die Preise herunter. Bei den Hüten ist wieder jede Kundschaft 
im Vorteil, die noch einen erwischt, da nicht genug für alle da sind, und so 
werden die Preise in die Höhe getrieben; denn hier sucht wieder jeder den 
anderen zu überbieten. Es fragt sich also nun in deinem Beispiel von dem 
besonders geschickten Schneider, ob sich die anderen den Vorteil, den jenem 
seine besondere Geschicklichkeit verschafft, auch aneignen förtnen. Wenn der 
Flinke, wie du annimmst, in einer Woche drei Röcke macht, während die 
anderen nur zwei anfertigen können, wird er zunächst jedenfalls anderthalb- 
inal so viel Wert in^ der Hand haben als die anderen. Es fragt sich nur, ob 
nicht die anderen Schneider diesen Vorteil dadurch aufheben können, daß 
sie es ebenso machen wie er." 
„Keine Spur," rief Karl, „denn jeder Schneider hat sich sicherlich schon 
vorher bemüht, möglichst geschickt und flink zu arbeiten. Wenn also einer von
	        
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