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Inzwischen kamen wir an einem Schuhmacherladen vorüber. Karl I
las laut das Schild ab: „Schuhwarenniederlage. Reparaturwerkstätte." I
„Na, da hast du den selbständigen Gewerbetreibenden," sagte er. „Er be- 1
hauptet ja selber nicht einmal mehr, daß er Schuhe macht; er repariert nur
welche, und daneben verkauft er Ware, die er selbst aus der Fabrik bezieht." I
„Aber trotz alledem," entgegnete Wilhelm, „gibt es doch noch immer auch
selbständige Kleinmeister. Freilich habe ich ihre Zahl weit überschätzt;
aber wenn man auch von allen denen absieht, von denen ich jetzt weiß, datz
sie in der Tat keine selbständigen Existenzen sind, dann bleiben doch immer
noch zahlreiche Kleinmeister übrig, die vom Großkapital nicht niederkon- i
kurriert sind. Meist geht es ihnen ja nicht sehr gut, das ist wahr, aber sie !
behaupten sich doch." „Aber auf wessen. Kosten?" warf ich Hier ein. „Daß I
ich immerhin noch Kleinmeister behaupten können, das verdanken sie vor I
ollem dem Umstande, daß sie unentgeltliche Arbeiter haben, die sie nach
Herzenslust ausbeuten, ohne daß sich diese wehren können, die L e h r-
ling e." „Ja, das ist wahr", pflichtete mir Karl bei. „Meine kleinere |
'Schwester zum Beispiel ist bei einer Blumenmacherin in der „Lehre". Ge-'f
zahlt kriegt sie nichts, und das Men muß auch sehr wenig sein; denn
wenn sie abends nach Hause kommt, hat sie einen schrecklichen Hunger.
Dabei lernt sie aber nicht einmal was Rechtes; denn fast den ganzen
Tag muß sie das Kind der Meisterin herumschleppen, ausfegen, j
Staub wischen und sonst häusliche Arbeiten machen. Die Frau hat dann
noch ein älteres Lehrmädchen, der sie ein paar Mark monatlich zahlt, die
macht mit der Meisterin zusammen die ganze Arbeit. So hat diese eine
Magd umsonst und eine Arbeiterin fast umsonst." „Und dabei sind gerade
diese jungen Leute ganz schutzlos," fuhr ich fort. „Die Arbeiterschutzgesetze!
gelten nur für Fabriken, die kleinen Meister können ihre Lehrlinge schin-!
den, wie sie wollen, und sie können sie sogar prügeln. Ja, die Kleinmeister,
das sind die Lieblinge der Regierungen, und, um ihnen zu helfen, werden
die armen Lehrlinge geopfert. Die haben ja kein Stimmrecht, und or
ganisiert sind sie auch nicht."' „Das muß aber auch einmal anders werden."
unterbrach mich Karl mit großem Eifer. „Auch wir Jugendlichen müssen
zusammenhalten. Das darf es nicht mehr geben, daß auf unserem Rücken
Holz gehackt wird. Wenn die Jugendlichen mit den erwachsenen^Arbeitern
wirklich zusammenhalten, dann werden auch die Lehrlinge eine Stütze fin
den. Bisher habe ich noch immer geschwankt, ob ich unserem Jugendverein;
beitreten soll; denn ich glaubte, daß so etwas doch für uns keinen rechten
Zweck hat. Aber jetzt sehe ich ein, daß auch wir unsere Interessen selber
wahrnehmen müssen. Mit unseren Knochen sollen die bankrotten Klein-!
meister nicht mehr ihren Kampf gegen das überlegene Kapital ausfeckten
dürfen."
2. Der Große.
Während dieses Gespräches waren wir vor einem jener modernen
Riesenpaläste gelangt, die der kundige Berliner schon von weitem als Waren-j
haus erkennt. Wir traten durch eines der mächtigen Portale ein und ge-l
rieten sofort in den Strom der Kauflustigen, die sich zwischen den Verkaufs-^
tischen drängten. Wir waren gerade in die Wirkwarenabteilung geraten,
und da sahen wir nun neben- und übereinander gelagert Strümpfe und
Krawatten, Trikotwäsche uitö Geldbeutel, Seide, Wolle, Baumwolle. Gleich
darauf kamen wir in die Schuhabteilung, hierauf zur Damenwäsche und
zu den Fahrrädern. Mit einem der zahlreichen Aufzüge fuhren wir in die
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