Full text : Kapitalismus und Sozialismus

ten  Buchhandlungen  und  Verlagsgeschäften,  und  auch  sonst  rührt  ein  Leit
der  Waren  aus  solchen  Ankäufen  her.  Aber  diese  Art  der  Erwerbung  tritt
doch  immer  mehr  in  ihrer  Bedeutung  zurück.  Ja,  im  Ansang  der  Warenhäuser, ­
  und  das  sind  noch  keine  zwanzig  Jahre  her,  da  verlegten  sie  sich
zum  großen  Teil  auf  solche  Gelegenheitskäufe."
„Aus  solchen  Leichenraub,"  berichtigte  mich  Wilhelm  erbittert.
„Du  magst  es  nennen,  wie  du  willst,"  entgegnete  ich,  „jedenfalls  sind
die  großen  Warenhäuser  darüber  bald  hinausgewachsen.  Heute  können  sie  j
sich  auf  solche  Gelegenheitsgeschäfte  nicht  mehr  verlassen,  wenn  sie  sie  auch  j
gerne  noch  mit  in  Kauf  nehmen;  aber  daß  sie  ihre  kleineren  Konkurrenten
unterbieten  können,  das  hat  doch  hauptsächlich  andere  Gründe.  So  ein
riesiger  Bau,  wie  der  hier  mit  all  seiner  Einrichtung,  Beheizung,  Beleuchtung ­
  u.  s.  w.,  kostet  ja  gewiß  ein  furchtbares  Geld;  aber  stellt  euch  vor,  daß  I
diese  ganze  riesige  Warenmasse  in  lauter  Einzelläden  verkauft  werden  j
sollte;  das  wäre  ja  schon  eine  kleine  Stadt,  und  die  Miete  würde  doch  noch  i
wesentlich  mehr  kosten,  als  der  Besitzer  des  Warenhauses  rechnen  muß.  Dazu  |
kommt,  daß  er  von  fast  jedem  Artikel  so  große  Mengen  braucht,  daß  er  j
nicht  nur  billiger  einlaufen  kann  als  der  kleine  Händler,  sondern  auch  von  j
den  Bahnen,  Dampferlinien  u.  s.  w.  große  Begünstigungen  bekommt.  Ins'!  I
besondere  aber  tritt  er  den  Fabrikanten  ganz  anders  gegenüber  als  sein  j
kleinerer  Konkurrent.  Wenn  der  einkauft,  muß  er  oft  lange  auf  die  I
Lieferung  warten,  er  muß  die  Artikel  nehmen,  die  ihm  angeboten  werden,  i
Das  Warenhaus  bestellt  so  gewaltige  Mengen,  daß  es  sich  für  die  Fabrik!
lohnt,  eigens  für  diese  große  Kundschaft  zu  arbeiten,  die  so  wichtig  ist,  daß  !
man  sie  auch  nicht  warten  lassen  darf,  und  oft  arbeiten  Fabriken  schon  aus-  |
schließlich  für  Warenhäuser,  von  denen  sie  dann  vollständig  abhängig  sind."  I
„Das  ist  ja  ganz  wie  bei  meinem  Großvater,  dem  Tischler,"  unter-  |
brach  mich  hier  Karl.  „So  wie  der  schließlich  für  den  Möbelhändler  allein  !
arbeiten  mußte  und  ganz  von  ihm  abhängig  war,  so  geht  es  also  jetzt  de»  I
großen  Faßriken  mit  den  Warenhäusern."
„Ja,"  antwortete  ich,  „das  ist  wirklich  etwas  Aehnliches,  nur  daß  cs  1
sich  hier  um  Riesen  handelt  im  Vergleich  zu  jenen  Zwergen,  dem  Tischler
und  dem  Möbelhändler.  Aber  im  Wesen  ist  es  immer  das  gleiche.  Wer
heute  über  das  größere  Kapital  verfügt,  der  siegt  in  der  Konkurrenz  über  I
den  schwächeren  Gegner."  *
„Das  habe  ich  erst  unlängst  auch  bei  uns  gesehen,"  meinte  Karl.  „Da  I
wurde  bei  uns  eine  neue  Maschine  ausgestellt,  die  arbeitet  ganz  großartig,  j
Wozu  früher  mit  den  einfachen  Maschinen  70  Arbeiter  nötig  waren,  das  I
machen  jetzt  mit  der  neuen  Maschine  30,  und  dabei  sieht  die  Ware  jetzt  j
noch  schöner  aus  als  früher.  Aber  ein  hübsches  Stück  Geld  muß  die  Ge-  I
schichte  gekostet  haben.  Ich  habe  was  von  80.000  Mk.  reden  gehört.  Natur-  I
lief),  wer  sich  so  eine  Maschine  nicht  auch  anschaffen  kann,  der  arbeitet  viel  I
teurer  und  dabei  weniger  gleichmäßig."
„Fa,  seht  ihr,"  ergänzte  ich,  „und  das  ist  einer  der  Gründe  für  die  j
Ueberlegenheit  des  großen  Betriebes  über  den  kleinen.  Auch  hier  kauft
einer  um  so  billiger  sein  Rohmaterial,  je  größere  Massen  er  einkauft.  Der
große  Lederfabrikant  zum  Beispiel  kauft  die  Felle  in  Rußland,  in  Indien,
in  Amerika  gleich  vom  Tierzüchter  und  bezieht  sie  in  ganzen  Schisfsladun-  j
gen  und  Eisenbahnwaggons.  Der  kleine  Gerber  kann  das  nicht  tun,  der
muß  zum  Händler  gehen,  der  natürlich  auch  sein  Geschäft  dabei  machen
will,  und  wenn  der  nicht  selbst  einen  sehr  großen  Umsatz  hat,  dann  kauft  er
            
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