Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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ieinerseits  erst  vom  Großhändler  oder  er  bezieht  die  Ware  in  kleineren
Partien  vom  Viehzüchter  nnd  muß  nicht  nur  diesem  höhere  Preise  zahlen,
sondern  auch  der  Eisenbahn  und  der  Dampferlinie  für  den  Transport.  Dazu
kommt  aber  noch,  daß  auch  die  Baulichkeiten  im  Verhältnis  billiger  werden,
je  größer  sie  sind.  Ein  Fabrikgebäude,  in  dem  zwei  Maschinen  stehen,  kostet
lange  nicht  doppelt  io  viel  wie  eines,  in  welchem  nur  eine  Maschine  steht.
Aber  auch  mit  den  Arbeitern  ist  der  große  Betrieb  besser  daran,  denn  gerade
die  teueren  Arbeitskräfte,  die  Ingenieure,  Buchhalter,  Werkführer,  Vorarbeiter ­
  u.  s.  w.  wachsen  an  Zahl  lange  nicht  so  schnell  wie  die  Handarbeiter.
Oft  braucht  ein  kleiner  Betrieb  gerade  so  viele  von  diesen  wie  ein  weit
größerer."
„Das  ist  richtig,"  bestätigte  Wilhelm.  „Im  vorigen  Jahre  wurde  bei  uns
das  Geschäft  stark  erweitert,  wir  haben  seither  fast  doppelt  so  viele  Arbeiter
wie  früher,  aber  ebenso  wie  früher  nur  einen  Direktor  und  zwei  Zuschneider.
Die  mußten  früher  hie  und  da  auch  sonst  aushelfen;  das  tun  sie  nun  nicht
mehr,  sie  sind  jetzt  große  Herren  geworden."
„Das  ist  auch  ein  Hauptgrund,"  fügte  ich  bei,  „warum  geschickte  Arbeiter ­
  meist  lieber  in  einem  großen  als  in  einem  kleinen  Betrieb  Beschäftigung ­
  nehmen,  weil  sie  dort  außer  ihrer  eigentlichen  Arbeit  oft  auch  noch
anderweitig  aushelfen  müssen.  Der  große  Unternehmer  kann  sie  deshalb
auch  höher  bezahlen,  weil  er  ihre  geschulte  Arbeitskraft  besser  ausnützen
kann."
„Wenn  man  sich  das  alles  so  überlegt,"  meinte  Karl,  „so  begreift  man
sehr  wohl,  wieso  das  große  Geschäft  dem  kleinen  so  überlegen  ist,  wieso  es
viele  kleine  erdrückt,  und  wenn  Wilhelm  vorhin  davon  gesprochen  hat,  daß  ein
großes  Warenhaus  ihn  an  einen  Kirchhof  erinnert,  so  hat  er  also  doch  wohl
recht  gehabt."
Nachdem  wir  eine  Zeitlang  schweigend  nebeneinander  gegangen  waren,
wandte  sich  Wilhelm  an  mich:  „In  so  einem  Warenhaus  oder  so  einer
großen  Fabrik,"  sagte  er,  „steckt  ein  riesiges  Kapital.  Um  das  zusammenzubringen, ­
  dazu  gehört  doch  eine  sehr  große  Geschäftstüchtigkeit.  Haben  die
Warenhäuser  zum  Beispiel  nicht  von  klein  angefangen?  Du  sagst,  daß  sie
noch  keine  20  Jahre  alt  sind.  Kann  man  in  so  kurzer  Zeit  ein  so  riesiges
Kapital  zusammenbringen  oder  waren  die  Leute,  die  sie  errichtet  haben,
schon  von  Anfang  an  so  furchtbar  reich?"
„Keins  von  beiden  war  der  Fall,"  entgegnete  ich.  „Es  gibt  heute
Warenhäuser,  deren  Besitzer  klein  angefangen  haben.  So  hatte  die  Firma
Tietz  zum  Beispiel,  der  heute  neun  riesige  Warenhäuser  in  verschiedenen
L-tädten  gehören,  ursprünglich  ein  kleines  Geschäft  für  Weiß-  und  Wollwaren.
  Erst  allmählich  bezog  sie  auch  andere  Artikel  ein,  während  sich  der
Umsatz  immer  mehr  ausdehnte,  und  so  entstand  mit  der  Zeit  der  Riesenbetrieb; ­
  aber  das  Kapital,  das  heute  darin  steckt,  gehört  durchaus  nicht  ganz
dem  Herrn  Tietz,  der  seinerzeit  das  Geschäft  begann.  Zunächst  bestimmte
er  seine  Verwandten,  ihr  Geld  bei  ihni  anzulegen;  bald  aber  reichte  auch
das  nicht  mehr  für  die  Ausdehnung  des  Geschäftes  aus.  Aber  damals  wußte
man  schon,  daß  die  Firma  „gut"  war,  das  heißt,  daß  man  ihr  ruhig  Geld
borgen  konnte,  daß  sie  gewiß  die  Zinsen  bezahlte  und  dabei  das  Geld  sicher
war;  es  war  daher  nicht  allzu  schwer,  von  Banken  Geld  zu  bekommen."
„Davon  haben  wirfta  schon  unlängst  gesprochen,"  unterbrach  mich  Karl,
„daß  die  Banken  und  Sparkassen  den  Einlegern  von  Geld  nicht  Zinsen
            
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