Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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kann,  dafür  aber  doch  nur  5  Mk.  Lohn  bekommt,  dann  stellt  sich  die  Rechnung ­
  so:  der  Stotf  u.  s.  tu.  für  zwei  Röcke  kostet  20  Mk.,  der  Lohn  5  Mk.,
zusammen  also  25  Mk.  Verkaufen  wird  aber  der  Kleiderhändler  die  zwei
Röcke  um  36  Mk.  Er  hat  also  früher  bei  15  Mk.  Auslagen  einen  Gewinn
von  3  Mk.  gemacht,  jetzt  aber  macht  er  auf  25  Mk.  einen  solchen  von  11  Mk
Da  begreift  man  schon,  daß  es  ihm  um  die  Hetzerei  zu  tun  ist.  Das  ist  eben
der  Schaden  des  Stücklohnes,  daß  er  die  Arbeiter  dazu  zwingt,  sich  so  abzuhetzen." ­

„Na,  das  bringen  die  Unternehmer  sonst  schon  auch  fertig,  auch  beinreinen
  Zeitlohn",  entgegnete  ich.  „Das  ist  schon  eine  eigene  Kunst  und  Wissenschaft ­
  geworden,  wie  man  aus  dem  Arbeiter  die  größtmögliche  Leistung
herauspreßt.  Am  abgefeimtesten  sind  darin  heute  die  Amerikaner.  Da  las  ich
zum  Beispiel  neulich  von  einem  Fabrikanten,  der  Arbeiter  von  verschiedenen
Nationalitäten  beschäftigte.  Da  wurde  nun  verkündet,  daß  die  Fahne
derjenigen  Nation  auf  der  Fabrik  gehißt  werden  soll,  die  in  der  betreffenden
Woche  am  tüchtigsten  gearbeitet  hat.  Und  richtig  fielen  die  armen  Teufel
auf  den  groben  Köder  hinein.  Zuerst  legten  sich  die  Russen  furchtbar  ins
Zeug  und  erreichten  es  wirklich,  daß  ihre  Flagge  gehißt  wurde.  Aber  schon
in  der  nächsten  Woche  holten  sie  die  Schweden  herunter,  zum  Schluß  aber
siegten  die  Irländer.  „Hoch  die  irische  Fahne!"  schrie  ihr  Vorarbeiter,  als
diese  gehißt  wurde,  „und  schaut  zu,  Burschen,  daß  kein  verfluchter  Protestant
sie  wieder  herunterholt."  Dieses  schöne  Mittel  kostete  den  Unternehmer  nur
ein  paar  Lappen  buntes  Tuch,  die  Arbeiter  aber  strengten  sich  aufs  äußerste
an,  wie  sie  glaubten,  zur  Ehre  ihrer  Nation,  in  Wckl)rheit  aber  nur  für  den
Geldsack  des  Unternehmers.  In  den  Schlachthäusern  von  Chikago  zum  Beispiel ­
  haben  sie  wieder  ein  anderes  System.  Dort  werden  einige  besondere
gewandte  und  kräftige  Arbeiter  sehr  hoch  dafür  bezahlt,  daß  sie  mit  Aufbietung ­
  aller  Kräfte  so  schnell  wie  nur  irgend  möglich  arbeiten.  Die  ande«n,
  schlecht  bezahlten  Arbeiter  müssen  dann  mit  diesen  Vorarbertern
schritt  halten,  sonst  werden  sie  entlassen.  Diese  sind  gewöhnlich  nach  kurzer
Zeit  aufgebraucht,  sie  können  die  Hetzjagd  nicht  länger  mitmachen.  Dann
werden  eben  wieder  neue  Vorarbeiter  eingestellt,  und  die  alten  müssen  froh
sein,  wenn  sie  in  den  Reihen  der  Gehetzten  noch  Platz  finden.  So  geht  die
Zagd  nach  Profit  schonungslos  werter.  Sie  geht  über  die  Leichen  unzähliger
Arbeiter  hinweg,  aber  was  kümmert  das  den  Unternehmer,  wenn  es  ein
paar  tausend  Mark  mehr  zu  ergattern  gibt."

Die  Maschine.
i.
„Das  wichtigste  Mittel,"  meinte  Karl,  „diese  Hetzjagd  durchzuführen
und  noch  zu  beschleunigen,  ist  aber  doch  wohl  die  Maschine.  Denn  wird  die
in  schnellerem  Lauf  gesetzt,  so  müssen  die  Arbeiter  mit,  ob  sie  wollen  oder
nicht.  Deshalb  stellen  die  Fabrikanten  auch  immer  neue  Maschinen  ein."
„Das  dürfte  wohl  dabei  keine  so  große  Rolle  spielen,"  antwortete  ich:
denn  die  Beschleunigung  der  Arbeit,  die  auf  diese  Weise  erzielt  wird,  hat
ziemlich  enge  Grenzen.  Läuft  die  Maschine  so  rasch,  daß  der  Arbeiter  nicht
mehr  gut  nachkommen  kann  oder  will,  dann  wird  nicht  nur  das  Produkt
verdorben,  sondern  auch  noch  die  Maschine  selbst.  Das  kann  also  jedenfalls
nicht  der  Hauptgrund  für  die  Einführung  neuer  Maschinen  sein."
            
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