Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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treffen  werden.  Schön  ist  dieses  Bild  menschlicher  Raubtierhaftigkeit  nicht,
aber  wahr  ist  es,  das  muß  ich  zugeben,  und  jetzt  verstehe  ich  erst,  wozu  die
Maschinen  da  sind.  Sie  sind  die  Waffe,  mit  der  sich  die  Kapitalisten  gegenseitig ­
  bekämpfen,  sich  gegenseitig  den  Gewinn  abjagen."
„Dabei  darfst  du  aber  nicht  vergessen,"  berichtigte  Karl,  „daß  der
Hauptzweck  bei  der  Einführung  der  Maschinen  doch  immer  der  ist  und
bleibt,  Arbeitslohn  zu  sparen,  und  das  heißt,  Arbeiter  aufs  Pflaster  zu
fetzen  und  die  übrigen  noch  stärker  auszubeuten.  So  ist  die  Maschine  die
furchtbarste  Waffe.  Sie  preßt  dem  Arbeiter  das  Blut  aus  und  zugleich  erschlägt ­
  sie  den  kleinen  Kapitalisten.  Wer  die  größten  und  leistungsfähigsten
Maschinen  hat,  der  ist  der  Herrscher,  -er  Mächtige,  dem  fliegt  das  GeH
nur  so  zu."

Der  Profit.
i.
„Das  ist  und  bleibt  aber  doch  eine  merkwürdige  Geschichte  mit  den
Maschinen",  sagte  Karl  sinnend.  „Es  schafft  doch  nur  die  Arbeit  neuen
Wert,  also  die  Arbeiter.  Daher  sollte  man  meinen,  daß  ein  Geschäft  um  f»
gewinnbringender  sein  müßte,  je  mehr  Arbeiter  es  beschäftigt  und  je  weniger
Maschinen.  Das  ist  aber  doch  nicht  wahr,  und  wir  haben  ja  auch  gerade
das  Gegenteil  gesehen."
„Wenn  wir  uns  zwei  Geschäfte  wie  die  unirigen  ansehen,"  meint«
Wilhelm,  „also  die  Schneiderei  und  die  Maschinenfabrikation,  so  müssen
wir  gleich  feststellen  können,  ob  das  richtig  ist.  Nehmen  wir  an,  bei  uns
kommen  auf  1000  Mk.,  die  für  Kleiderstoff  ausgelegt  werden,  1000  Mk.
Lohn.  Maschinen,  Baulichkeiten  u.  s.  w.  spielen  da  ja  keine  Rolle,  diese  Last
hat  der  Chef  den  Arbeitern  aufgebürdet,  das  haben  wir  ja  erst  neulich  besprochen. ­
  Wenn  nun  der  Arbeiter  den  halben  Tag  für  sich  arbeitet  und  den
halben  Tag  für  den  Unternehmer,  das  heißt  also,  wenn  er  den  Wert  seines
Arbeitslohnes  im  halben  Tag  neu  schafft,  dann  ist  der  Gewinn,  der  dem
Unternehmer  verbleibt,  ebenso  groß  wie  der  Lohn,  also  auch  1000  Mk.  Wenn
aber  in  Karls  Fabrik  dasselbe  der  Fall  ist,  wenn  auch  dort  die  Arbeiter
den  halben  Tag  für  sich  und  den  halben  Tag  für  den  Unternehmer  arbeiten,
so  beträgt  der  Gewinn  des  Unternehmers  auch  1000  Mk.  Um  die  zu  erzielen,
mußte  er  aber  nicht  nur  Eisen  einkaufen,  sondern  auch  teure  Maschinen
anschaffen,  große  Gebäude  aufrichten  lassen  oder  mieten.  Er  mußte  also
viel  mehr  Kapital  aufwenden,  um  denselben  Gewinn  zu  erzielen.  Dann
wäre  aber  die  Maschinenfabrikation  ein  viel  schlechteres  Geschäft  als  di«
Schneiderei.  Da  hat  Karl  ganz  recht.  Das  ist  doch  nicht  wahr,  und  wir  haben
auch  in  unserer  Handelsschule  gelernt,  daß  der  Profit  für  jedes  Kapital
gleich  ist,  das  heißt,  daß  es  nur  auf  die  Höhe  des  Kapitals  ankommt.  Wenn
ein  Kapital  von  1000  Mk.  200  Mk.  Profit  abwirft,  so  wirft  eine  Million
200.000  Mk.  als  Profit  ab,  und  es  macht  keinen  Unterschied,  ob  das  Geld
in  der  Schneiderei,  in  der  Maschinenfabrikation  oder  sonstwo  angelegt  ist."
„Das  ist  aber  doch  recht  sonderbar",  widersprach  Karl.  „Ich  habe
immer  geglaubt,  daß  es  gute  und  schlechte  Geschäfte  gibt,  und  das  ist  doch
eben  die  Kunst  des  Kapitalisten,  daß  er  weiß,  wo  er  sein  Kapital  an
legen  soll."
            
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