Full text: Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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viel schneller wächst als die natürliche Be Völker ungsvermehrung 
beträgt 
In mehrfacher anderer Beziehung befinden sich die westfäli 
schen Arbeiter der Industriegegend in einer viel schlechteren Lage 
als die skandinavischen und hannoverschen Arbeiter; sie nähern 
sich dort schon der „unstetigen“ Lage, die mehr und mehr in 
mitten der Massen herrscht, die in den Kohlegebieten Englands, 
Belgiens und Frankreichs zusammengeströmt sind. Eine der be 
dauerlichsten Seiten dieser Lage ist die Gewohnheit, die Arbeiter 
mehr und mehr in MietsWohnungen unterzubringen; es ist be 
klagenswert, daß dieses System noch immer mehr um sich greift. 
Bis heute haben die Verhältnisse zwischen der Familie und 
dem Kapitalisten, dem Eigentümer des Hauses, einen herzlichen 
Charakter, der sich auf gegenseitiger Willfährigkeit und dem Patro 
natsverhältnis gründet. Der Eigentümer glaubt sich nicht befugt, 
den einmal vereinbarten Mietzins zu steigern; und der Mieter fühlt 
sich zu kleinen Dienstleistungen gehalten, die dem Eigentümer viel 
leicht angenehm sein können. Wenn an die Stelle dieser guten Be 
ziehungen von Eigentümer zum Mieter eines Tages die aufreizenden 
Kämpfe getreten sind, die in gewissen Städten des Westens die 
Festsetzung des Mietzinses hervorruft, dann wird man das Fehlen 
einer gesetzlichen Regelung bedauern, die z. B. den Kaufleuten im 
Harz verbietet, ihr Kapital in der Weise anzulegen, daß sie die 
Häuser, in denen Arbeiter wohnen, erwerben. Die oben bezeichneten 
guten Beziehungen sind sicherlich dem sozialen Frieden günstig. 
Doch scheint es, daß seine Herrschaft in diesem besonderen Falle 
sich viel sicherer darauf gründen ließe, daß man den Arbeiter beim 
Erwerb seiner Wohnung vom Wettbewerb der Kapitalisten frei 
macht. Die beträchtlichen Summen, die die Familie für unnütze 
und schädliche Erholungen verwendet, zeigen, daß sie schon längst 
ihr Häuschen zu eigen haben könnte, wenn die Gewohnheit, unter 
stützt von der Patronage, auf dieses wichtige Interesse, die Fürsorge 
für die Familie, hingelenkt würde. Letztere würde nicht nur ihre 
finanzielle Position verbessert haben; sie würde auch in der sozialen 
Rangordnung eine viel höhere Stellung einnehmen. 
Viele Gründe geben zu der Befürchtung Anlaß, daß die Ent 
wicklung der Industrie in der sächsischen Ebene in Zukunft den 
I Familien dieser Gegend die sittliche Höhe, die sie sich im Laufe 
von sechs Jahrhunderten der Tugend erworben haben, wieder ent 
reißt. Um die Gefahr zu erkennen, die ihrer Existenz droht, ge-
	        
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