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gnügte ich mich, innerlich zu seufzen, wenn ich den Geschichtsprofessor das
traurige Wort Ludwig XIV. preisen hörte: „L’etat c’est moi“. Ich ließ mich
auch nicht blenden durch die Vorlesungen am College de France, wo rede
gewandte Professoren die nationalen Traditionen herabsetzten und die Ent
wicklung des menschlichen Geistes als obersten Zweck der Zivilisation priesen.
Ob diese Zurückhaltung gegenüber aller Politik als wirkliche
Objektivität anzusehen ist, oder ob sie sich daraus erklärt, daß die
politischen Anschauungen, die Le Play hier in Paris hörte, in Gegen
satz zu denen seiner früheren Lehrer standen und sie deshalb ohne
weiteres abgewiesen wurden, mag dahingestellt bleiben. Le Play
selbst hielt es für Objektivität; er glaubte, daß das ländliche Allein
sein, der Schulunterricht als Externer, die Erziehung und Lehren
mehrerer Gelehrter ihn befähigten, die sozialen Phänomene mit
freierem Blick anzusehen; er hielt diese Art des Unterrichts für so
wertvoll, daß er daran Hoffnungen auf Reform des Unterrichts
knüpfte. Aber es ist doch auffallend, daß die Entwicklung Le Play’s
von der Jugend bis zum Alter in derselben Richtung ging, daß alle
späteren Anschauungen in den ersten Lehren der Jugend schon
vorgezeichnet waren. Objektivität der Jugend ist keine natürliche
Erscheinung, und da Le Play eigentlich nie andere Anschauungen
vertreten hat, da er von jeder jugendlich-radikalen Periode ver
schont geblieben ist, so taucht die Frage auf, ob die festgeprägten
Anschauungen seiner Lehrer ihn nicht gehindert haben, die Meinungen
anderer vorurteilslos zu sehen und zu prüfen. Wenn er die Ent
wicklung des menschlichen Geistes nicht als Ziel der Zivilisation
anerkannte, so kam das wohl daher, daß er von dem Gedanken an
ein anderes Ziel erfüllt war, und er sagte dies auch selbst: er war
„erfüllt von der Idee einer ständischen Ordnung“, die solche Gewalt
über ihn hatte, daß ihm jede Erwähnung des Prinzips der absoluten
Monarchie nur einen Seufzer entlockte. Auf diese Dinge wird später
zurückzukommen sein.
Im Jahre 1825 lernte Le Play zwei Berliner Studenten kennen,
mit denen er häufige Unterhaltungen über Rousseau hatte. Sie
zeigten ihm den Hauptfehler Rousseau’s und damit den Fehler der
ganzen Zeit: daß er den Menschen von Natur gut sein ließ, und
daß erst durch die herkömmlichen Einrichtungen der Menschheit
das Übel in die Welt gekommen sein soll.
Im übrigen widmete sich Le Play nur seinen Berufsstudien, so
daß er fleißig Fortschritte machte. Unterbrochen wurden diese
Studien durch eine monatelange Reise nach Deutsch