Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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Die  berühmten  Völker  *)  der  Vergangenheit  haben  diesen  Appell  (zu  einer
von  Le  Play  angeregten  „Schule  der  Reisen“)  gerechtfertigt,  indem  sie  die
Nützlichkeit  der  Kelsen  an  berühmten  Beispielen  erwiesen.  Die  Mustervölker
unserer  Zeit  ziehen  großen  Gewinn  aus  dieser  Ergänzung  der  Erziehung,  um
die  Handfertigkeit  der  Arbeiter,  die  Intelligenz  der  Unternehmer  nnd  die
Weisheit  der  Staatsmänner  zu  entwickeln.  Die  Schriftsteller,  die  ich  oft  zitiere,
haben  es  der  Beachtung  ihrer  Zeitgenossen  empfohlen.  So  empfiehlt  z.  B.
Plato  den  Athenern,  zu  einer  Zeit,  wo  das  intellektuelle  und  moralische  Leben
bei  ihnen  sehr  zerrüttet  war,  über  Land  und  Meer  zu  gehen  und  die  Tugend
bei  den  „göttlichen  Menschen“  aller  Länder  zu  suchen.  Montaigne  betrachtet
das  Reisen  als  notwendig  für  die  Erziehung  eine.s  Adels,  der  diesen  Namen
verdient;  aber  er  verwarf  es,  daß  die  letzten  Valois  dazu  verführt  hatten,
dieses  Vervolikommnungsinittel  zu  seichten  Beobachtungen  anzuwenden.  Nach
der  Verwirrung,  die  zwei  Revolutionen  in  den  Ideen  und  Sitten  Englands  angerichtet ­
  hatten,  empfahl  Locke  das  Studium  einer  fremden  Sprache  und  die
Konversation  der  Menschen,  die  sie  sprechen,  als  ein  Mittel,  um  die  Jugend
wieder  zur  Weisheit  und  Klugheit  zurückzuführen
Diesen  Gründen  aus  der  Vergangenheit  großer  Völker  und  der  Schriftsteller, ­
  die  ich  zitiert  habe,  kann  ich  die  hinzufügen,  die  mich  die  Erfahrung
eines  langen  arbeitsreichen  Lebens  gelehrt  hat.  Die  fünf  Lehrer,  die  mich
auf  den  Weg  der  Wahrheit  geführt  haben,  waren  alle  durch  ihren  Aufenthalt ­
  in  fremden  Ländern  zu  ihr  gelangt.  Indem  ich  selbst  während  35  Jahren
lange  Reisen  mit  einer  sicheren  Methode  unternahm,  habe  ich  die  notwendige
Ergänzung  ihrer  Lehren  gefunden.
Neben  leitenden  Staatsmännern  lernte  er  dabei  vor  allem  viele
große  Industrielle,  Bergwerksbesitzer  und  Landwirte  kennen,  auf
deren  Ansichten  über  soziale  Fragen  er  den  größten  Wert  legte;  er
hielt  diese  Männer  („Autorites  sociales“)  für  am  meisten  urteilsfähig,
weil  sie  einen  reichen  Schatz  von  Erfahrungen  hätten  und  weil  ihre
Praxis  die  Richtigkeit  ihrer  Meinungen  erwiese.  Im  übrigen  verschaffte ­
  sich  Le  Play  Material,  wo  es  nur  angängig  war.  Lefebure
de  Fourcy *  2 )  entwirft  ein  Bild  von  Le  Play’s  Art  zu  reisen,  das
seiner  Anschaulichkeit  wegen  wiedergegeben  sei.
Keiner,  glaube  ich,  wußte  zu  reisen  wie  Le  Play.  Von  kleiner  Statur
und  schlankem  Wuchs,  mit  Beinen  von  Stahl,  wohl  bewandert  in  der  Fußgängerausrüstung, ­
  trotzte  er  den  Unbilden  der  Sonne  wie  des  Regens,  begnügte ­
  sich  mit  schlechten  Mahlzeiten  und  schlechten  Herbergen  und  legte
so  ohne  Ermüdung  gewaltige  Strecken  zurück,  bei  der  Ankunft  so  frisch  wie
beim  Abmarsch.  Keiner  verstand  es  so  wie  er,  aus  Menschen  und  Dingen
wertvolle  Mitteilungen  über  das  herauszuholen,  was  er  gerade  im  Auge  hatte.
Industrielle  und  Arbeiter,  Großgrundbesitzer  und  Bauern,  Professoren  und
Studierende,  Herbergsväter  und  Reisende,  alle  mußten  ihm  herhalten.  Türen,

>)  0.  E.  I,  598.
2 )  Annales  des  mines,  juillet-aoüt  1882.
            
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