Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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J )  0.  E.  III,  488.

Während  der  Kaiserzeit  trat  Le  Play  wiederholt  als  Leiter  von
Ausstellungen  hervor;  er  war  1855  Generalkommissar  der  Pariser
Weltausstellung,  1862  der  französischen  Abteilung  der  Weltausstellung ­
  zu  London  und  1867  wieder  Generalkommissar  zu  Paris.
Auf  dieser  letzten  Ausstellung  lenkte  er  dadurch  die  Aufmerksamkeit ­
  auf  sich,  daß  er  zum  ersten  Male  eine  „Soziale  Gruppe“  bildete,
die  das  materielle,  intellektuelle  und  moralische  Leben  der  Arbeiter
vorführen  sollte.  Dabei  waren  auf  Veranlassung  Le  Play’s  Preise
ausgesetzt  „zugunsten  der  Personen,  Betriebe  oder  Gegenden,  die
durch  eine  Organisation  oder  besondere  Einrichtungen  ein  harmonisches ­
  Einvernehmen  zwischen  den  gemeinsam
Arbeitenden  geschaffen  und  den  Arbeitern  materielles,  moralisches
und  intellektuelles  Wohlergehen  gesichert  hatten“.  Der  Schluß  dieses
Preisausschreibens  ist  für  uns  besonders  interessant:
Die  an  die  Jury  gelangenden  Mitteilungen  wie  die  zur  Nachprüfung  getroffenen ­
  Kontrollmaßnahmen  erklärten  einstimmig  die  ausnahmslose  Überlegenheit ­
  der  niedersächsischen  Ebene  und  besonders  des  hannöversehen
  Lüneburg.  Eine  Unterkommission  von  7  Preisrichtern,  die  der
großen  Jury  einen  Vorschlag  machen  sollte  bezüglich  der  Gegend,  die  den
einzigen  großen  Preis  von  100000  Fr.  erhalten  sollte,  entschied  zugunsten
der  bäuerlichen  Organisation  Lüneburgs.  Dieser  Vorschlag  wurde  aus  Gründen,
die  nicht  in  der  Sache  selbst  lagen,  verworfen;  aber  die  Überlegenheit
Lüneburgs  wurde  von  niemandem  angezweifelt,  und  es  wurde  beschlossen,
daß  der  „große  soziale  Preis“  keiner  anderen  Gegend  zufallen  sollte*)■
Eine  im  eigentlichen  Sinne  praktische  Tätigkeit  hat  Le  Play
nur  in  dem  früheren  Abschnitte  seines  Lebens,  vor  und  während
seiner  Lehrtätigkeit,  ausgeübt.  Neben  den  vielen  Aufgaben,  die  ihm
als  Staatsingenieur  zufielen,  stand  eine  private  von  ganz  besonderer
Bedeutung:  der  russische  Fürst  Demidoff  betraute  ihn  mit  der  Leitung ­
  seiner  großen  Bergwerke  im  Ural.
In  späteren  Jahren  ist  Le  Play  in  anderer  Weise  wenigstens
halb  praktisch  tätig  gewesen.  Er  kaufte  sich  ein  großes  Landgut,
um  seine  Ideen  zu  verwirklichen.  Hier  sollten  die  der  Praxis  der
sozialen  Autoritäten  entnommenen  Lehren  Früchte  tragen.  Le  Play
wollte  eine  „Stammfamilie“  gründen  und  so  setzte  er  im  Jahre  1867
seinen  Sohn,  der  gerade  geheiratet  hatte,  zum  Anerben  ein.  Hierher
zog  er  sich  oft  zurück,  um  in  ländlicher  Abgeschiedenheit  seine  Patronagepflichten ­
  gegen  die  ihm  verbundenen  Familien  zu  erfüllen.
            
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