Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

*)  0.  E.  I,  409.

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die  anderen,  nicht  weniger  geschickten  Neugierigen  verschlossen  waren,
öffneten  sich  seiner  unwiderstehlichen  Art.  Geheimnisse  gab  es  nicht  vor
seinem  Scharfsinn,  wenn  sie  sich  auch  unter  verführerischen  Worten  verbargen.
Eine  besonders  wichtige  Bekanntschaft  machte  Le  Play  im
Jahre  1833  gelegentlich  einer  Reise  nach  Spanien.  Er  lernte  in
Madrid  den  französischen  Gesandten  Graf  de  Rayneval  kennen,
der  ihn  für  die  Sozialwissenschaft  begeisterte,  so  daß  ihn  Le  Play
seinen  fünften  Lehrer  nennt.  Auch  de  Rayneval  liebte  sein  Vaterland ­
  über  alles  und  wollte  ihm  helfen.  Er  kennzeichnete  besonders
die  Fehler  der  sozialen  Verfassung  Frankreichs,  die  sich  auf  das
Erbrecht  bezogen;  er  hielt  diese  Gesetze  für  der  väterlichen
Autorität  feindlich  und  ermahnte  Le  Play,  sich  ihrer  Reform  besonders ­
  zu  widmen.  Er  zeigte  an  der  Geschichte  die  Wirkung  der
erzwungenen  Erbteilung.  Bonaparte  hatte  sie  als  Konsul  eingeführt,
als  sicheres  Mittel,  die  Familientradition  zu  zerstören;  dagegen  bevorzugte ­
  er  als  Kaiser  das  entgegengesetzte  System  bei  den  Familien,
die  ihm  ergeben  waren,  indem  er  für  sie  Majorate  einrichtete.  An
seinen  Bruder  Josef  schrieb  er  im  Jahre  1806:
Führt  den  Code  civil  in  Neapel  ein;  alles  was  Euch  nicht  zugetan  ist,
wird  vernichtet  werden  in  wenigen  Jahren,  und  das,  was  Ihr  erhalten  wollt,
wird  sich  befestigen.  Das  ist  der  große  Vorzug  des  Code  civil  ....  Er
festigt  Eure  Macht,  da  alles,  was  nicht  fideikommissarisch  gebunden  ist,  durch
ihn  fällt  und  von  großen  Häusern  nur  diejenigen  bleiben,  die  Eure  Lehensleute ­
  sind.  Das  läßt  mich  den  Code  civil  predigen,  und  das  hat  mich  veranlaßt, ­
  ihn  einzuführen x ).
Mit  dieser  Schwächung  Frankreichs  rechnete  auch  das  Ausland,  wie
de  Rayneval  zeigte.  Auf  dem  Wiener  Kongresse  wollten  die  englischen ­
  Staatsmänner  Wellington  und  Castlereagh  die  französischen
Grenzen  des  18.  Jahrhunderts  wiederhergestellt  sehen.  Als  sie  das
nicht  erreichten,  trösteten  sie  sich,  indem  sie  meinten:  „Schließlich
sind  ja  die  Franzosen  durch  ihr  Erbrechts-System  zur  Genüge  geschwächt“. ­
  Der  Mahnung  des  Grafen  Rayneval,  gegen  dieses  Erbrecht ­
  anzukämpfen,  ist  Le  Play  gefolgt,  und  der  unteilbare  gefestigte ­
  Familienbesitz  ist  ihm  eine  der  hauptsächlichsten  Grundlagen ­
  einer  gesunden  sozialen  Verfassung.
Im  Winter  blieb  Le  Play  in  Paris,  wo  er  sich  seinem  Berufe
widmete,  die  gesammelten  Materialien  verarbeitete  und  sich  mit
sonstigen  wissenschaftlichen  Arbeiten  beschäftigte.  Fast  immer  war
es  ein  staatlicher  Auftrag  oder  der  Ruf  eines  privaten  Besitzers,
            
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