Full text: Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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Beziehung ein neues methodisches Prinzip entdeckt zu haben. Er 
sagt*): 
„Diese Methode zeigt im Grunde genommen kein neues Prinzip, und man 
kann sogar hinzufügen, daß sie unter anderen Formen zu allen Zeiten ange 
wendet worden ist. Die neuen Formen sind weniger klar, als diejenigen waren, 
deren man sich in der Vergangenheit bediente, als noch die ewigen Elemente 
des sozialen Friedens weniger vergessen waren.“ 
Die seit zwei Jahrhunderten in Frankreich verdunkelten sozialen 
„Grundgesetze“ glaubte Le Play mit Hilfe seiner Methode wieder 
entdeckt zu haben. Dabei hat er seine Zeit nicht mit Suchen nach 
neuen wissenschaftlichen Mitteln verloren: 
„Ich habe einfach den Prozeß ins Werk gesetzt, der zu unserer Zeit auf 
die Wissenschaften der Astronomie, der Physik, Chemie und der drei Natur 
reiche einen so fruchtbaren Einfluß geübt hat. Doch habe ich bei Anwen 
dung dieser Idee die Wissenschaften, die die ersten Eehrmeisterinnen meines 
Geistes waren, nicht kopiert. Ich habe sie nachgeahmt, ohne die Natur 
meines Gegenstandes aus den Augen zu verlieren. Ich habe 
als Kriterium meiner Untersuchungen die Unterscheidung 
zwischen Gut und Böse genommen, wie sie sich in der Praxis aller 
glücklichen Gesellschaften findet. Die Kontrolle meiner Resultate habe ich in 
den Erscheinungen des Friedens und des Unfriedens gesucht, interpretiert 
durch die „sozialen Autoritäten“, die in ihrer Gegend die Führung haben, in 
dem sie sich auf den Respekt und die Zuneigung ihrer Untergebenen stützen.“ 
Man bemerke, wie hier bei Übertragung der Methode von der Natur 
wissenschaft auf die Sozial Wissenschaft sogleich das Sittliche als 
unterscheidendes Merkmal hineinkommt, ohne irgendwelche nähere 
Begründung, als wenn es ganz selbstverständlich wäre, daß die 
Unterscheidung von Gut und Böse das Wesen der Methode un 
berührt lasse und nur deren Abwandlung verursache. 
Die Methode ist eigentlich nach Le Play eine ganz allgemein 
menschliche Methode. Sie ist 2 ) 
so alt wie das Menschengeschlecht und von vielen hervorragenden Menschen 
angewendet worden, lange bevor Aristoteles, Bacon und Descartes die Auf 
merksamkeit der Philosophen auf sie lenkten. So ist es noch heute. Die Per 
sonen, denen ich die Kontrolle meiner Schlüsse verdanke, schulden selbst dieser 
Methode die anerkannte Überlegenheit, deren sie sich freuen. Sie haben 
besser als ihre Zeitgenossen gewisse soziale Phänomene beob 
achtet, tiefer über sie nachgedacht und haben aus diesem Studium Vorteil 
gezogen, zum Wohl ihrer eigenen Unternehmungen wie der dem allgemeinen 
Wohle gewidmeten örtlichen Organisationen. 
*) 0. E. I, 577.
	        
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