Full text: Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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ung vom Wesen der „Arbeiterfamilie“ im Sinne einer umfassenden 
Gemeinschaft naturgemäß dahin geführt wird, auch bei den Kultur 
völkern vorzugsweise diejenigen „Arbeiterfamilien“ seiner Beobach 
tung zu unterziehen, die noch viel von jenem alten Charakter sich 
bewahrt haben. So sagt er schon in der Einleitung zur ersten Auf 
lage seiner „Ouvriers europeens“ geradezu, er habe nur diejenigen 
Arbeiter beobachtet, die sich mehr oder weniger von der 
Eigenschaft eines Eigentümers oder kleinen Unter 
nehmers bewahrt haben. 
An diesem Grundsätze hat Le Play allerdings später nicht 
streng festgehalten. Aber im wesentlichen bleibt sein Absehen auch 
dann darauf gerichtet, die Familien zu beobachten, bei denen sich 
Erwerbswirtschaft und Verbrauchswirtschaft noch nicht vollkommen 
getrennt haben. 
Den damit begrenzten Kreis der „Arbeiterfamilien“ teilt er in 
sieben große Gruppen, die er jedoch nur in der ersten Auflage 
systematisch in einem großen Tableau zusammenstellt. Dieses 
Tableau ist als Anhang I unserer Untersuchung abgedruckt. Da 
bei verwendet er als wesentliches Kriterium für die Lage der 
Arbeiterfamilie die Art und Dauer des ArbeitsVerhält 
nisses. 
Le Play kennt drei Hauptarten des Arbeitsverhältnisses: das 
erzwungene, das freiwillig-dauernde und das kurz 
dauernde Arbeitsverhältnis. Im Orient herrschte zur Zeit Le 
Plays noch das erzwungene, in Mitteleuropa noch das freiwillig 
dauernde, in Westeuropa schon das kurzdauernde Arbeitsverhältnis. 
An unterster Stelle stehen die Dienstboten (ouvriers- 
domestiques). Sie gehören zum Haushalt des Herrn, für dessen 
Rechnung sie ausschließlich arbeiten; sie werden nur oder fast nur 
nach ihren Bedürfnissen entlohnt und können sowohl Eigentümer 
wie Nichteigentümer sein; gewöhnlich ist nur die Kleidung ihr 
Eigentum. Die übrigen Klassen sind dadurch vor den Dienstboten 
ausgezeichnet, daß sie Haushaltungsvorstände sind und neben 
der Kleidung wenigstens noch Mobilien besitzen. Le Play bezeich 
net sie als „Nicht-Eigentümer“, wenn sie keinen Grundbesitz haben; 
meist haben sie aber bewegliche Werte: Vieh, Arbeitsgeräte oder 
gar größere Summen Geldes. Zu ihnen gehören zunächst die 
Tagelöhner (journaliers), deren Lohn nach der Zahl der ge 
leisteten Arbeitstage bestimmt wird und die Stückarbeiter 
(tächerons), bei denen sich der Lohn nach der Menge der geleisteten
	        
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