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Die methodische Analyse aller Arbeiten, die von den einzelnen Familien
gliedern ausgeführt werden, ist im Grunde genommen die genaueste Definition,
die man von der sozialen Lage der Familie und von ihren sittlichen und in
tellektuellen Gewohnheiten geben kann; und andererseits sind die übrigen
Einnahmequellen zwar verschieden vom Arbeitslohn, aber doch meist mit der
Arbeit auf die innigste und unmittelbarste Art verbunden *).
Die Arbeiten der einzelnen Familienglieder betrachtet Le Play ge
trennt voneinander und berechnet Zeit und Lohn jeder Arbeit
für sich.
Le Play beklagt die Tendenz der modernen industriellen Ent
wicklung, die Arbeit immer mehr zu teilen, Frauen und Kinder
immer mehr zur Berufsarbeit heranzuziehen. Doch können wir auf
diese seine Anschauungen nicht näher eingehen. Le Play’s Maß
stäbe bei Beurteilung dieser Fragen waren teils ethische (Beein
trächtigung des Familienlebens), teils volkshygienische, welche letztere
er bei Beurteilung der Frauenarbeit deutlich von jenen anderen
sondert :
Es ist nicht nur eine Frage der Humanität, sondern eine kluge volkswirt
schaftliche Maßnahme, die Frau von allzu schwerer Arbeit zu entlasten 2 ).
Der Begriff des „Arbeitslohns“ wird von Le Play so weit ge
faßt, daß für die vierte Einnahmequelle, für den gewerblichen
Hausfleiß, nicht allzu viel übrig bleibt. Infolgedessen legt
Le Play ihr mehr eine moralische als eine wirtschaftliche Be
deutung bei, wobei er indes bemerkt, daß diese nicht für alle
Arbeiterarten die gleiche ist, vielleicht im allgemeinen mit
jeder höheren Stufe wächst. Er bezeichnet solche Arbeiten als
„Gymnastik des Eigentums“, als „Lehrzeit des Eigentums“. Sie
regen den Spartrieb an und reizen zur Erhaltung des Ersparten;
durch die Erziehung zur Wirtschaftlichkeit und Mäßigkeit erheben
sie den Arbeiter auf eine höhere soziale Stufe. Zugleich verschaffen
sie ihm auch manche Einnahmen, wobei besonders wertvoll ist, daß
diese meist von wirtschaftlichen Krisen unabhängig sind. Solche
Nebenarbeiten sind auch das geeignete Tätigkeitsfeld für die schwachen
Familienglieder. Sie werden in oder bei dem Hause ausgeführt
und bewahren so die Unabhängigkeit der Familie und den mora
lischen Einfluß des Hauses auf Frau und Kinder. Letzteren geben
sie noch besonders Gelegenheit, ihre Intelligenz und Handfertigkeit
kräftig zu entwickeln.
*) 0. E., 1. Aufl., 27.
2 ) 0. E., 1. Aufl., 28.