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Die zahlreichen Einzelheiten . . . die sich im Schema aller Mono
graphien finden, können nur mit Hilfe einer langen und minutiösen Erhebung
gewonnen werden. Um sie gut durchzuführen, muß der Beobachter in alle
Teile der Wohnung eindringen: Möbel, Haushaltungsgegenstände, Wäsche,
Kleidung, die Höhe der verfügbaren Geldsummen, die Haustiere, das Arbeits
material, kurz: das Eigentum der Familie inventarisieren; er muß die Vorräte
schätzen, die Nahrungsmittel wiegen, die je nach der Jahreszeit zu den
Speisen verwendet werden; ferner die Arbeiten der Familie innerhalb und
außerhalb des Hauses verfolgen. Das Studium der häuslichen Arbeiten ist
mitunter unendlich kompliziert, besonders bei den einfachen Völkern, die selbst
die Webstoffe bauen, ihre Kleider anfertigen und alles selbst produzieren bis
zur Seife, die zum Waschen ihrer Kleidung nötig ist. Noch feinere Unter
suchungen sind die, welche sich auf das intellektuelle und moralische Leben
beziehen, auf Keligion, Erziehung, Erholung, auf die Eltern- und Freund
schaftsgefühle, auf die Beziehungen zum Unternehmer, zu den Mitarbeitern,
Dienstboten und Lehrlingen, und endlich auf die Besonderheiten der Geschichte
der Familie.
Le Play gibt seinen Schülern für die Behandlung der einzelnen
Familienglieder einige Ratschläge aus dem Schatze seiner Er
fahrungen und seiner Menschenkenntnis. Aber abgesehen davon,
daß sich die Menschenbehandlung vielleicht gar nicht erlernen läßt,
sind die Schwierigkeiten, die in der Materie selbst liegen, immer
noch sehr groß, auch alle Geschicklichkeit des Beobachters voraus
gesetzt. Le Play fährt fort 1 ):
Andererseits ist der Beobachter in eine ihm unbekannte Welt versetzt
und anfangs nur wenig dazu befähigt, die Bestimmung der Gegenstände zu
verstehen, das Jneinandergreifen der Arbeiten, den wahren Sinn der Ideen
und die genaue Wiedergabe der Gefühle. Er muß also unzählige Fragen an
die Familie richten und das bedeutet für diese einen Zeitverlust. Die Schwierig
keit wächst noch in den zahlreichen Fällen, wo der Beobachter bei der Be
fragung eine durch die lokale Mundart veränderte fremde Sprache anwenden
muß. (Die Kenntnis der fremden Sprache ist also schon Voraussetzung.) So
ist verauszusehen, daß die häufigen Fragen den Personen eine große geistige
Ermüdung auferlegen, die an Nachdenken nicht gewöhnt und wenig geeignet
sind, ihre Gedanken logisch zu ordnen.
Schlußbemerkungen über den Wert der Familien-Mono-
grapliien. Trotz dieser außerordentlich großen Schwierigkeiten hat
Le Play selbst erklärt, er habe keine Monographie aufgenommen,
die nicht zu seiner eigenen Zufriedenheit und zu derjenigen der
untersuchten Familie ausgefallen wäre. Ob das wirklich ausreichte,
wird später zu untersuchen sein. Aber soviel ist gewiß: die mono
graphische Methode an sich war ein Präzisions-Instrument, wie es
*) 0. E. I, 222.