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Um in Kürze zu zeigen, wie sich die Bimetallisten und Agrarier diese
Frage beantworten, sei es gestattet, den bereits mehrfach erwähnten
Artikel „Reichsbank" des „ A g r aris ch e n H andbuchs " zu citieren.
Dort heißt es:
„Hierbei darf auch nicht unerwähnt bleiben, daß die Metall
reserve der Reichsbank eine nicht ausreichende ist. Das in den Bank
gewölben ruhende Silber kann, solange die Aufrechterhaltung der
Goldwährung das Silber zu einem entwerteten Metall zweiter Klasse
stempelt, als wirkliche Deckung nicht betrachtet werden. In kritischen
Zeiten wird, bis das Silber durch den Bimetallismus rehabilitiert
ist, jedermann vollwichtiges Gold fordern, eben weil aber die Vorräte
der Reichsbank an Gold nicht ausreichen, ist die Bank genötigt, ihren
Diskont höher zu halten, als das sonst nötig wäre. Dadurch wird
dem Handel und Verkehr das Geld verteuert. Der geringste Gold
export oder selbst nur die Furcht davor reicht aus, um die Bank zu
Diskonterhöhungen zu nötigen, die dem Lande dann schwere Opfer
auferlegen. Besonders auffällig trat dies im Jahre 1896 zu Tage,
als infolge des Goldabflusses nach Amerika die Bank von England
auf 4 °/o, die Reichsbank auf 5 °/o Diskont stieg, während die Bank
von Frankreich ihren Diskontsatz von 2 °/o beibehielt. Marl fragte
sich, worauf dieser auffällige Unterschied beruht und fand, daß die
Bank von Frairkreich sich gegen Goldentnahme nicht durch Diskont
erhöhungen, die das ganze Land bezahlen muß, schützt, sondern durch
Prämien auf Goldbarren und exportfähige Goldmünzen, die sie
lediglich von den Arbitrageuren erhebt. — Handel und Gewerbe,
Landwirtschaft und Industrie habeir ein gleich großes Interesse daran,
daß der Zinsfuß nicht kü ir stlich verteuert wird und daß deshalb
auch bei uns nach dem bewährten Beispiel der Barrk voir Frairkreich
verfahreir werde."
Um zu geigen, daß derartige Anschauungen nicht auf die
extremsten Kreise des Bundes der Landwirte beschrärrkt geblieben
sind, sei eine Stelle aus dem letzten Jahresbericht der Dortmunder
Handelskammer, die freilich zu den wenigen bimetallistischen
Handelskarnnrern Deutschlarrds gehört, hervorgehoberr. Nachdem der
Bericht in zutreffender Weise Grüirde gegen die Verstaatlichung der
Reichsbank dargelegt hat, fährt er fort:
„Die Handelskammer ist deshalb der Meinung, daß von der
geplanten Verstaatlichung der Reichsbarrk abgesehen werden möge,
daß aber allen Ernstes darauf gedrmrgen werde,
1. Daß der unzureichende Geldumlauf des Reiches erheblich
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