3. Die Reklame.
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werter Weise abgebildet hat. Von hier bis zu den „auf eine gewisse bestimmte Art
geschlungenen oder verzogenen Namen oder den Zügen aus den Anfangsbuchstaben
des Tauf- und Zunamens eines Kaufmanns", wie Ludovici die Marken beschreibt,
war ein erheblicher Schritt, den man in künstlerischer Beziehung kaum als eine Ver
besserung auffassen kann.
3. Die Reklame.
Von Arwed Emminghaus.
<LmmingHaus, Die Reklame. In: Die Nation, herausgegeben von Barth. Berlin.
Aommisfioiisverlag von h. 5. Hermann, ;yoo. 5. 688 ff.
Es ist üblich, unter Reklame ein schon über das Maß des unter gebildeten
Menschen erlaubten Aus- und Anbietens von Leistungen hinausgehendes, etwas vom
strengen ästhetischen Standpunkte aus Verwerfliches zu betrachten.
hier aber soll über die Reklame geredet werden als über die verschiedenen, gleich
viel ob lobens- oder tadelnswerten oder gleichgültigen Formen der Kundmachung eines
Angebotes oder einer Nachfrage für das große Publikum oder für gewisse Kreise
desselben.
In diesem Sinne ist die Reklame so alt wie der Verkehr der Menschen unter
einander, haben Ninive, Babylon, das alte Alexandria und das alte Rom so gut ihre
Reklame gehabt, wie heutzutage Berlin, Paris, London und New Port.
Jedenfalls haben die Formen gewechselt; jedenfalls ist auch die Mühe, die man
der Reklame zugewandt, und die Kunst, mit der man sie wirksam zu machen versucht
hat, nach Zeit und Ort verschieden gewesen.
heute spielt wohl in diesen beiden Beziehungen Nordamerika die hervorragendste
Rolle.
Das wunderbare, so eigenartig zusammengesetzt wohl nirgends in der Geschichte
wiedervorkommende Völkergemisch der Vereinigten Staaten zeigt, aus der Vogel
perspektive betrachtet, noch immer das Gepräge der Jugendlichkeit, der naiven Kraft
und des tatkräftigsten Realismus, hier geht alles ins Große, Augenfällige; bescheidene
nüchterne Sachlichkeit macht hier keinen Eindruck; was Eindruck machen soll, muß auf
die Nerven gehen, und nordamerikanische Nerven geraten nur auf starke Anregungen
in Schwingung.
Kundmachungen, die zum Begriffe der Reklame gehören, können auf sehr mannig
faltige Weise erfolgen.
Da ist die nicht mehr sehr zeitgemäße Form des Ausrufens, welches gewöhnlich
durch irgend ein Aufmerksamkeit erweckendes Zeichen, wie Klingeln, Trompetenstöße
oder dergleichen, eingeleitet wird.
Da kommt weiter in Betracht die Reklame der Aufzüge und persönlichen
Darstellungen.
Firmenschilder und Ladenauslagen sind eine sehr wertvolle und verbreitete
Reklameform.
Experimentelle Vorführungen, coram publico, werden zur Reklame auch
heute noch mehrfach benutzt. Ich erinnere nur an die immer dicht umstandenen Buden
von Verkäufern eines angeblich unendlich Haltsamen Kittes oder eines jeden Fleck
beseittgenden Reinigungsmittels.