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Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.
J. W. Gunning 1 ) behandelt die raffinosehaltigen Zuckererzeugnisse zuerst mit
Methylalkohol, worin die Raffinose löslich ist, und untersucht die raffinosereiohe Lösung
nach Entfernung des Methylalkohols yor und nach der Inversion.
R. Creydt * 2 ) schlägt auch vor, die Raffinose durch Überführung in Schleimsäure
mittels Salpetersäure zu bestimmen, hat aber bis jetzt noch kein bestimmtes Verhältnis
zwischen Raffinose und Schleimsäure angegeben.
4. Bestimmung des Wassers. In ein flaches Porzellanschälchen bringt man
20—25 g ausgeglühten Quarzsand, sowie ein kleines Glasstähchen und wägt das
Ganze; darauf gibt man die betreffenden Zuckererzeugnisse (bei Füllmassen und
Melassen 4—5 g, hei Dicksäften 8—10 g, bei Dünnsäften usw. entsprechend mehr)
und wägt abermals; die Dünnsäfte lassen sich gleich mit dem Sande mittels des
Glasstähchens vermischen; hei Melasse usw. stellt man das Schälchen 15—30 Minuten
bezw. so lange in den auf 100° erwärmten Trockenschrank, bis sich die Masse
verflüssigt hat und breiartig mit dem Sande vermischen läßt. Dann trocknet man
im Trockenschrank 4—6 Stunden bei 105—110°, wägt nach dem Erkalten und wieder
holt das Trocknen 1 / 2 —1 Stunde, bis Beständigkeit des Gewichtes eingetreten ist.
Für sehr genaue Bestimmungen empfiehlt sich bei derartigen Säften ein Aus-
troeknen bei 100° im Vakuum.
5. Bestimmung der Asche. Zur Bestimmung der Asche in zuckerhaltigen
Flüssigkeiten muß man eine abgewogene Menge erst eindunsten, dann verkohlen,
die Kohle mit Wasser ausziehen und schließlich unter Zuhilfenahme von Sauerstoff
verbrennen (vergl. S. 195).
Oder man verfährt zur Beschleunigung auch nach Scheiblers Vorschläge in
der Weise, daß man die zuckerhaltige Flüssigkeit (etwa 3 g Trockensubstanz ent
sprechend) in eine flache Platinschale gibt, zur Trockne bringt, dann mit reiner
konzentrierter Schwefelsäure vollständig durchfeuchtet, nach einigen Minuten über
einer möglichst großen Flamme erhitzt und schließlich im Gasmuffelofen völlig
weiß brennt.
Da der mit Schwefelsäure vermischte Zuckerrückstand aufbläht und sogar
beim Erhitzen die kohlige Masse über die Schalewandung übersteigt, so empfiehlt
es sich, die Schale mit einem äußerst sauberen Dreifuß auf Glanzpapier zu stellen,
um die übergestiegenen Kohlenteilchen wieder in die Schale zurückfüllen zu können.
Von der bei Anwendung von Schwefelsäure erhaltenen Asche werden 10 °/ 0
abgezogen. Zur Bestimmung der einzelnen Aschenbestandteile verfährt man nach
S. 200.
6. Bestimmung der Farbe. Zur Bestimmung der Farbe der verschiedenen
zuckerhaltigen Fabrikationserzeugnisse und auch zur Bestimmung der Entfärbungskraft
der Knochenkohle dient allgemein das Stammersche Farbenmaß, welches nach
Stamm ers Beschreibung (Fig. 268, S. 611) besteht:
1. Aus der weiten Saftröhre'I, unten durch eine Glasscheibe geschlossen, oben offen
und seitlich mit einer Erweiterung zum Ein- und Ausgießen der Flüssigkeiten, Die Saft
röhre ist an dem Stativ mittels zweier Schrauben befestigt und kann erforderlichenfalls
(behufs Reinigung usw.) leicht abgenommen werden.
2. Aus der Maßröhre III, unten mit einer Glasscheibe verschlossen und innerhalb
der Saftröhre 1 beweglich.
3. Aus der Farbenglasröhre II, mit III fest verbunden, unten offen, oben mit dem
Farbenglas bedeckt; sie ist mit ihrem unteren Ende mittels zweier Ringe mit Schrauben
*) Zeitschr. f. anal. Chemie 1889, 28, 45.
2 ) Ebenda 1894, 33, 255. Vergl. hierzu J. Herzfeld ebendort S. 256 und Zeitschr.
f. Rübenzuokerindustrie 40, 265.