„Entwicklungstendenzen", die man gelegentlich auch als Gesetze an
spricht. Sie tragen nun aber ganz und gar nicht den Charakter
eines „Gesetzes", wie die Naturwissenschaft ein Gesetz versteht. Vor
allem deshalb nicht, weil sie gar keine allgemeine Formulierung für
beliebig sich einstellende Einzelfälle sind, sondern nur den wahr
scheinlichen Verlauf eines einzigen Vorgangs voraussagen wollen.
Das „Konzentrationsgcsetz" hat immer nur Geltung für ein einziges
historisches Milieu: eine zeitlich eng umgrenzte Epoche des Kapitalis
mus in den modernen Staaten und kann selbst in diesem Milieu
etwa durch einen bewußten Eingriff der Staatsgewalt oder durch
die Veränderung des Kräfteverhältnisses (der Willensintensität) der
beteiligten Personen in jedem Augenblicke aus der Welt geschafft
werden. Was also soll die Gleichstellung derartiger „Entwicklungs
tendenzen" (deren Ermittlung nebenbei bemerkt sehr nützlich sein kann)
mit den „ewigen ehernen Gesetzen", die die Naturforscher für den
ewig gleichen Ablauf des Naturgeschehens formulieren?!
IV.
So ist es kein Wunder, wenn schließlich sich die Geschichte der
einen und der andern Wissenschaft als etwas ebenfalls grundver
schiedenes darstellt.
Die Geschichte der modernen Naturforschung — der modernen,
das heißt also derjenigen, die auf den Prinzipien der Quantifizierung
fußt — erscheint uns im wesentlichen als eine immer größer werdende
Sammlung von Einzelwissen. Am Ende einer Generation ist ein
bestimmtes Maß gesicherten Wissens vorhanden, das wie Korn in
der Kornkammer aufgeschüttet liegt und zu dem nun ' die folgende
Generation ihren Teil hinzuträgt. Man ist stolz, von einer „fort
schreitenden Erkenntnis" zu sprechen und hat die Vorstellung (auch