Full text : München als Industriestadt

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Diese  Zahlen  reden  sehr  deutlich  von  den  ungeheuren  Kapitalanlagen, ­
  welche  die  Münchener  Großbrauereien  geschaffen
haben,  um  den  weitverzweigten,  rasch  emporgewachsenen  Exportverkehr ­
  zu  erhalten,  ihn  sogar  immer  weiter  auszudehnen.
Die  industrielle  Erstarkung  der  außerbayerischen  Brauereien
hatte  an  die  Kapitalkraft  der  auf  Export  basierenden  Münchener ­
  Brauereien  immer  höhere  Anforderungen  gestellt,  daß
es  einigen  von  diesen  trotz  der  größten  Anstrengungen  nicht
mehr  gelang,  auf  die  Dauer  ihren  Exportverkehr  aufrecht  zu
erhalten,  denn  die  wenigen  altrennomierten,  kapitalkräftigen
Großbrauereien  rissen  immer  mehr  das  Monopol  des  Exportes
an  sich.
Der  Export  Münchener  Bieres  hat  großen  Umfang  eigentlich ­
  erst  seit  dem  Jahre  1872,  d.  h.  zur  Zeit  des  allgemeinen
wirtschaftlichen  Aufschwungs  in  Deutschland,  angenommen  und
ist  heute  ungefähr  die  Hälfte  der  gesamten  bayerischen  Bierausfuhr, ­
  obwohl  die  Brauereien  in  Kulmbach,  Nürnberg  und
Würzburg  ebenfalls  große  Quantitäten  ausführen.  Daß  der
Export  nach  Norddeutschland  erheblich  abgenommen  hat,  liegt
nach  Aussage  eines  Fachmannes  in  dem  Surrogatverbot,  d.  h.
dem  Verbote  einer  weiteren  Verwertung  von  gebranntem  Zukker
  (Couleur)  und  anderen  Chemikalien  zum  Versetzen  des
Bieres,  wie  dies  noch  im  Auslande  gebräuchlich  ist.
Die  großen  Mengen  erzeugten  Bieres,  die  Ausfuhrverhältnisse ­
  desselben,  den  Verbrauch  von  Malz  und  den  Bierkonsum ­
  des  Jahres  1911  in  der  Stadt  zeigt  uns  eine  Tabelle,
welche  nach  Veröffentlichungen  des  Statistischen  Amts  der
Stadt  München  mit  einem  Rückblick  bis  zum  Jahre  1881  zusammengestellt ­
  ist.
Der  interessanten  Zusammenstellung  entnehmen  wir,  daß
der  Bierkonsum  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  berechnet  gegenüber ­
  dem  Vorjahre  wieder  um  10  Liter  gestiegen  ist.  Es
muß  jedoch  berücksichtigt  werden,  daß  das  Jahr  1911  zu  den
besten  zählte,  welche  die  deutsche  und  speziell  auch  die  bayerische ­
  Brauindustrie  zu  bezeichnen  hat.  Außerordentlich  günstige, ­
  den  Konsum  fördernde  Witterungsverhältnisse  und  gute
Qualität  der  Rohstoffe  haben  die  Erträgnisse  der  Brauereien
so  gesteigert,  daß  die  die  Brauerei  belastenden  Steuern,  die
            
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