Full text : München als Industriestadt

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Rückzahlung  desselben  braucht  solange  nicht  zu  geschehen  als
der  Bierbezug  stetig  weiterläuft.  So  ruht  das  Kapital  oft  30
bis  40  Jahre  lang.  Dazu  kommt  noch,  daß  die  Brauerei  auch
schlechte  Hypothekenstellen  besitzt,  da  die  von  Privaten  abgewiesenen ­
  Darlehensbedürftigen  sich  meist  an  die  Brauerei
wenden,  die  es  ihnen  in  der  Regel  gewährt.  Da  die  Münchener ­
  Brauereien  auch  über  Spezialausschänke  im  Auslande
und  überseeische  Depots  verfügen,  erstrecken  sich  diese  Finanzgeschäfte ­
  sogar  bis  ins  Ausland.
Der  maßlose  .Wettbewerb  hat  demnach  auf  Seite  der  Brauereien ­
  ungeheure  Kapitalien  in  Ausständen,  noch
viel  größere  in  Hypotheken  und  Darlehen,  Wechselschulden
etc.  festgelegt,  während  auf  Seite  der  Kundschaft  teils  durch
das  Übermaß  von  neugegründeten  Wirtschaften,  teils  durch
den  infolge  der  Kreditpolitik  der  Brauereien  verursachten  Zuzug ­
  minderwertiger,  vermögensloser  Elemente  in  den  Gastwirtestand ­
  derselbe  moralisch  und  finanziell  tief  herabgedrückt
wurde.  Wir  können  der  früheren  Tabelle  (Seite  93)  entnehmen, ­
  daß  die  Anlagewerte  sogar  zum  großen  Teil,  oft  fast
bis  zur  Hälfte,  als  solche  Kauf-  bezw.  Pachtwerte  für  Wirtschaften ­
  und  Wirtschaftsanwesen  in  Betracht  kommen.  Hierin
spiegelt  sich  zugleich  die  kommunalwirtschaftliche  Bedeutung,
welche  den  Brauereien  heute  für  die  Stadt  München  zuerkannt ­
  werden  muß,  denn  sie  sind  nicht  nur  Hypothekengläubiger, ­
  sondern  auch  Mieter,  Vermieter  und  Hausbesitzer  zugleich, ­
  ganz  zu  schweigen  von  dem  sozialen  Werte,  der  darin
liegt,  daß  die  Brauerei  den  Wirten  erlaubt,  gleich  einer  Sparkasse ­
  kleinere  verzinsliche  Beträge  bei  ihr  einzulegen.
Dieses  kapitalistische  Walten  der  Großbrauereien  birgt
eine  große  Gefahr  in  sich,  da  heute  schon  eine  Anzahl  Brauereien ­
  mit  Betriebsschulden  anstelle  der  flüssigen  Betriebsmittel
als  Betriebskapital  arbeiten.  Denn  Geldknappheit,  bezw.  Kapital- ­
  oder  Kreditmangel,  ist  für  eine  Brauerei  bei  der  Methode,
wie  sie  sich  heute  zur  Festlegung  des  Absatzes  herausgebildet ­
  hat,  ein  Moment,  welches  ein  Unternehmen  auch  bei
guter  Leistung  in  einem  regen  Konkurrenzgebiet  meist  in  jedem
weiteren  Aufschwünge  hemmt.
            
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