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Die Holzabfälle werden mit böhmischer Nußkohle gemischt
als Feuermaterial für die Dampfmaschinen verwendet, die etwa
30 Arbeitsmaschinen wie Hobelmaschinen, Kreissägen und eini
gen Spezialmaschinen die Antriebskraft liefern. Nahezu 1 Mil
lion Kapital ist im Betriebe investiert, da ein großer Lager
platz für die ausgedehnten Holzvorräte nötig ist und gedeckte
Räume in größerer Ausdehnung das Fabrikat vor schädlichen
.Witterungseinflüssen schützen müssen.
Viel zu wenig Beachtung schenkt man unserer Ansicht
nach dem 1 Teil der Münchener Industrie, der sich der Tabak
fabrikation zugewendet hat. Auch die Statistik, welche die
Gesamtzahl der auf diesem Gebiete erwerbstätigen Personen
am 12. VI. 1907 mit 714 angibt, kann dadurch ein vollkommen
falsches Bild von dieser Art industriellen Lebens in München
geben. Erwägt man, daß 69 Betriebe vorhanden sind, in denen
1—50 Personen Beschäftigung finden, so darf man nicht genug
hinweisen auf die wirtschaftliche Bedeutung eines Großbetrie
bes, in dem allein 285 Arbeiter in der Tabakverarbeitung tätig
sind. Wohl haben wir bei genauer Untersuchung gefunden,
daß die Schnupf- und Rauchtabakfabrikation, ebenso die Zi
garrenherstellung, wegen der erfolgreichen Konkurrenz alter
Nürnberger Firmen und der österreichischen Regietabake wenig
imstande ist, auch nur den lokalen Markt zu beherrschen.
Anders gestaltet sich die wirtschaftliche Lage der Zigaretten
fabrikation, obgleich dieser Industriezweig nicht viel weniger
unter der österreichischen Konkurrenz zu leiden hat. Dies ist
darauf zurückzuführen, daß das Fabrikat der Firma Zuban,
Kommanditgesellschaft, sich ein weites Reich von
Rauchern erobert hat; die Zubanzigarette erfreut sich heute
eines ausgedehnten Konsumenten- bezw. Abnehmerkreises,
hauptsächlich in München mit ca. 25 o/o der Gesamtproduktion
und Bayern ohne Hauptstadt mit ebenfalls nahezu 30 o/ 0 der
Gesamtfabrikation, die sich heute auf etwa 600 Millionen Zi
garetten beläuft. Auf Mittel- und Norddeutschland kommen
etwas über 40 o/o des Gesamtabsatzes der Firma. Auch am
Export nach der Schweiz, Italien, Holland, Dänemark und
in kleinen Mengen nach Südamerika und Südafrika beteiligt
sich dieser leistungsfähige Münchener Betrieb. Wenn der Ex-