Full text : München als Industriestadt

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76—92  o/o  nach  Tralles.  Dieser  wird  in  Münchener  Spritfabriken, ­
  den  sogenannten  Raffinerien,  zu  Feinsprit  bis  zu
96  und  97  °/o'  rektifiziert,  der  an  die  Likörfabriken,  Pulverfabriken ­
  und  Kunstseidefabriken  als  Fertigprodukt  weitergegeben
wird.  Außerdem  stellt  man  vergällten  Branntwein  her,  den  man
zu  technischen  Zwecken  und  als  Brennspiritus  verwendet,  welch
letzteren  man  heute  noch  besser  aus  dem  Osten  Deutschlands ­
  bezieht,  weil  er  von  dort  zu  besonders  billigen  Tarifen
—  infolge  des  Aufgeldes,  das  für  München  als  dem  südlichsten
Paritätsplatz  genehmigt  ist  —  geliefert  und  verfrachtet  wird.
Als  Spritraffinerien  kamen  in  München  bis  vor  etwa  4—5
Jahren  die  Betriebe  von  Macholl,  Riemerschmid,  Tipp  ü.  Co.  und
.Wassermann  in  Frage,  welche  sich  als  rein  materialorientierte ­
  Industrien  in  der  Stadt  stets  vergrößert  hatten.  Neben
der  Nähe  des  Rohmaterials,  das  ausschlaggebend  bei  der  Gründung ­
  sämtlicher  Betriebe  war,  kam  die  Konsumfrage  in  Betracht. ­
  Die  Großstadt  mit  ihrem  Fremdenverkehr  verlangte
die  Errichtung  von  Likörfabriken  um  den  gesteigerten  Bedarf
an  besseren  Likören  selbst  befriedigen  zu  können  und  diese
wurden  große  Abnehmer  für  die  in  den  Rektifikationsanstalten
gewonnenen  Feinsprite.  Die  genannten  Firmen  wurden  aber
in  den  letzten  Jahren  von  der  Spirituszentrale  G.  m.  b.  H.
in  Berlin,  welche  in  München  eine  Verkaufsstelle  hat,  nacheinander ­
  aufgekauft;  an  ihrer  Stelle  errichtete  die  Zentrale  eine
Spritfabrik  in  den  vergrößerten  Anlagen  des  von  Gebr.  Macholl
in  ihren  Besitz  übergegangenen  Fabrikbetriebes.  Diese  Zusammenlegung ­
  von  Spritfabriken  seitens  der  Spirituszentrale  erstreckte ­
  sich  auf  ganz  Bayern,  sodaß  ein  Privatmonopol  der
Gesellschaft  in  dem  entstehenden  Spiritusring  oder  Syndikat
zu  sehen  ist.  Das  ganze  bayerische  Geschäft  wird  heute  von
zwei  Stellen,  von  der  Münchener  Spritfabrik  und  der  durch  Vereinbarung ­
  verpflichteten  Nürnberger  Spritfabrik  Jakobi-Nachfolger, ­
  erledigt.  Die  Münchener  Spritfabrik  der  Spirituszentrale
beschäftigt  heute  nur  15  Arbeiter,  weil  jeder  Großbetrieb  in
dieser  Industrie  mit  verhältnismäßig  wenigen,  unqualifizierten
Kräften  die  notwendigen  Arbeitsprozesse  erledigen  kann,  sobald ­
  dem  Betrieb  ein  oder  mehrere  chemisch-technisch  gebildete
Beamte  vorstehen,  die  wieder  von  Maschinisten  und  etlichen
            
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