Full text : München als Industriestadt

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„Wenn  Sie  uns  heute  100  tüchtige  Arbeiter  bringen,  so  werden
sie  sofort  beschäftigt“,  lautete  die  uns  gewordene  Antwort
der  Firma  auf  eine  in  dieser  Sache  gestellte  Frage.  Die  Betriebsleitung ­
  sorgt  daher  aufs  beste  für  das  Wohl  ihrer  Arbeiter
und  unterstützt  kranke  und  arbeitsunfähige  Arbeiter  durch
Geldspenden  aus  den  Zinsen  einer  50  Tausend  Mark  betragenden ­
  Stiftung  der  Firma.
Einen  in  Bayern  ganz  neuen  Industriezweig  hat  die
Seiden  Warenfabrikationsfirma  und  Gürtelfabrik ­
  Hesselberger  und  Herz  nach  München  verpflanzt. ­
  Gegründet  im  Jahre  1894  ist  dieselbe  aus  kleinen  Anfängen ­
  sehr  rasch  emporgeblüht  und  stets  bedeutender  geworden ­
  und  gilt  jetzt  seit  einer  Reihe  von  Jahren  nicht  nur  als
die  erste  Fabrik  der  Branche  in  Bayern  sondern  auch  in  ganz
Deutschland.  Man  hatte  bei  Gründung  des  Betriebes  nur
München  als  Standort  gewählt,  weil  hier  in  der  Großstadt
keine  Konkurrenz  und  ein  günstiges  Absatzgebiet  vorhanden
war.  Diese  Standortsbedingung  hat  sich  mit  Ausgestaltung
des  Betriebes  zur  Weltfirma  vollständig  verschoben,  denn  München ­
  kommt  nur  mit  5—6  °/o  des  gesamten  Absatzes  als
Konsumtionsort  in  Frage.  Heute  spielt  München  als  günstiger ­
  Arbeitsplatz  und  als  Kunststadt  im  Leben  des
Betriebes  die  Hauptrolle,  —  obgleich  die  Arbeiterbeschaffung
anfänglich  eine  gegenüber  anderen  Städten  sehr  schwierige  war
und  die  Arbeiter  sämtlich  neu  angelernt  werden  mußten,  um
ein  geschultes  Arbeiterpersonal  zu  besitzen.  Seit  einigen  Jahren
bietet  München  mit  seinen  ausgedehnten,  in  ärmlichen  Verhältnissen ­
  lebenden  Kleinbürgertum  namentlich  für  weibliche  Arbeiter ­
  einen  Ort  großen  Arbeiterangebots  für  die  Firma;  dies  gilt
auch  für  die  Heimarbeiterinnen,  deren  etwa  300  für  den  Betrieb
tätig  sind  und  die  teilweise  diesen  mittleren  Bürgerkreisen
angehören.  Von  welcher  Bedeutung  diese  Umstände  sind,
lehrt  die  Zusammensetzung  des  Arbeiterstammes  der  Fabrik.
Es  werden  insgesamt  in  München  300  Arbeitskräfte  beschäftigt,
von  denen  allein  250  weiblichen  Geschlechts  sind.  Der  Wochenlohn ­
  für  die  männlichen  Arbeiter,  die  teils  als  Zuschneider,  teils
als  Aufsichtspersonal  Beschäftigung  finden,  ist  höher  wie  der
den  Frauen  und  Mädchen  gezahlte  wöchentliche  Lohn;  er
            
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