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Ein sehr altes Kunstgewerbe ist zweifellos die Porzel
lanfabrikation. Wenn auch in Bayern die Lager an Roh
stoffen für die Porzellanherstellung nicht so reich sind wie
in manchen anderen Ländern, so ist doch die Industrie dieses
Zweiges in den letzten Dezennien mächtig emporgeblüht und
dank der dienstbereiten Hilfe der Künstler hat sie sich neben
großen Fabrikanlagen zu einer hohen Stufe in der Qualität
der gelieferten Waren heraufgerungen. Sie findet in der Kgl.
Porzellanmanufaktur in N y m p h e n b u rg- München
eine hervorragende Vertretung. Diese weltbekannte Nym
phenburger Manufaktur, welche den alten Namen „Manufaktur“
im eigentlichen Sinne tatsächlich gar nicht mehr verdient, hält
die alte Tradition in modernem Gewand noch hoch. Die Por
zellankunst in vornehmem Stil wurde aufgenommen und auch
die Porzellanplastik wieder ausgeübt. Diese Porzellanfabri
kation besitzt in der Welt einen guten Ruf und man verspricht
sich heute viel von ihren Leistungen, wenn es ihr auch an
rechten Abnehmern und Bestellern fehlt, die eine volle Ent
wicklung der ihr innewohnenden Kräfte ermöglichen könnten.
Darum muß gerade in dieser Industrie darauf gedrungen wer
den, daß man das Zeichen beachte, unter dem heute allein
der Sieg errungen werden kann, das Zeichen „modern“. Daß
die alte Manufaktur heute tatsächlich zu den Fabrikbetrieben
gehört, davon zeugen die Menge Kraftmaschinen, wie Koller
gänge, Kugelmühlen, Filterpressen, Membranpumpen, Kraft
drehscheiben und 1 Pochwerk, sowie eine Masseschlagmaschine,
die alle teils elektrischen, teils Dampfantrieb besitzen. Der
Betrieb ist sehr abhängig.von seinen Arbeitern. Als arbeits-
orientierte Industrie muß die Manufaktur ihren Arbeiter
stamm zu erhalten suchen und sie dauernd beschäftigen,
da die 130—140 im Betrieb tätigen Arbeiter mit 100—110
Leuten zu den Spezialisten in der Porzellanfabrikation zu
rechnen sind, während der Rest von nur 30 Arbeitern auf die
Klasse der Lohnarbeiter, der Taglöhner, entfallen. Jeder
bessere Arbeiter ist ein Virtuosenarbeiter, der nach den Vor
lagen der angestellten, ausnahmsweise auch fremder Künstler
arbeiten muß. Der Absatz der Fertigprodukte zerstreut sich
auf die ganze zivilisierte Welt. München selbst als Fremden-
Fritz, Mönchen als Industriestadt. 5