73
fördernd auch für die Entwicklung dieses Industriezweiges in
München und Bayern überhaupt wurde. Heute kann die kgl.
bayr. Hofblumen-, Blätter- und Pflanzenfabrik
J. v. Heckei in München auf allen Gebieten der Kunst
blumenindustrie voll und ganz die Konkurrenz mit Paris auf
nehmen und mit dieser dominierend auf dem Weltmärkte auf-
treten. Sie ist von den vielen in München im Laufe der Jahr
zehnte entstandenen Blumenindustrien weitaus, die größte und
bedeutendste und wir können bei weiterer Betrachtung ihrer
Produktions- und Arbeiterverhältnisse die allgemeine Lage der
Münchener Kunstblumenindustrie ersehen.
Die Firma müßte man eigentlich als Kunstanstalt bezeich
nen, weil kunstgewerbliche Arbeit geleistet wird: bei arbeit
geteiltem Handbetrieb, soweit die Herstellung der Halbfabri
kate in Betracht kommt, bei rein individueller, kunstfertiger
Einzelhandarbeit, soweit sie die Fertigstellung und Ausarbei
tung eines Artikels betrifft. Diese Arbeit liegt hauptsächlich in
den geschickten Händen von Frauen und Mädchen, während die
elektrisch betriebenen Stanzmaschinen und sonstigen kleinen
Werk- und Hilfsmaschinen von männlichen Arbeitern bedient
werden. In den Betriebsräumen sind 30 männliche, 130 weib
liche und 20 jugendliche (unter 16 Jahren) Arbeitskräfte be
schäftigt. Volkswirtschaftlich aber von großem Werte ist das
Eindringen der ganzen Industrie in alle Bevölkerungsschichten,
was sich in der großen Zahl der Heimarbeiterinnen äußert.
Etwa 300 solcher hausarbeitenden Frauen und Mädchen zählen
zu den ständigen Produzenten, denen man teils die ganze
Fertigverarbeitung, teils nur die Weiterverarbeitung des ihnen
gegebenen Materials überläßt. Und trotzdem hat man heute,
nachdem die Kunst „Blumen zu machen“ in die Münchener
Bevölkerungsschichten tief eingedrungen ist und sich sehr viele
Leute nur durch diese Beschäftigung oder durch die Stellung
eines „Zwischenmeisters“ ernähren, stets Mangel an tüchtigen
Arbeitskräften. Früher lediglich ein konsumorientierter Indu
striezweig, muß' der Betrieb heute auf einen tüchtigen Arbeiter
stamm sehen, was sehr schwer wird, obwohl tausende ge
schickter Hände vorhanden sind, welche die Herstellung künst
licher Blumen bis ins Kleinste beherrschen. Es liegt einmal