daran, daß keine besseren Elemente mehr in einer „Fabrik“
arbeiten wollen und lieber in Büros tätig sind; andererseits
muß eine Arbeiterin bei sehr geringer Entlohnung eine Lehr
zeit durchmachen, während sie in einem Ladengeschäft als ge
wöhnliche Handlangerin sofort mehr verdienen kann und sie
will und muß oft möglichst viel erwerben. In München be
sonders macht sich hier der Einfluß der Cafes und Restaurants
geltend, welche die intelligenteren Mädchen zu sich anziehen,
denn diese ergreifen lieber das Kellnerinnengewerbe, als daß
sie in eine Fabrik eintreten. Man ist daher aufs äußerste be
müht den Arbeiterstamm sich zu erhalten und zahlt dement
sprechend hohe Löhne, wodurch ein immer schwererer Stand
der Münchener Kunstblumenindustrie gegenüber der Konkur
renz der sächsischen Orte Sebnitz, Neustadt, ja sogar der
Stadt Dresden, sich geltend macht. Der Tagelohn der Arbeiter
und der Vollarbeiterin beträgt von 2.50 Mark an bis 6 Mark,
die Entlohnung der Lehrmädchen bewegt sich von 60 Pfennig
aufwärts bis 1 Mark pro Tag. Selbstredend werden die höch
sten Löhne erzielt bei Akkordarbeit, die wiederum erhöht wer
den können dadurch, daß die Arbeiter sich Arbeit nachhaus
mitnehmen, wo selbst die Angehörigen noch mitarbeiten. Die
Rohstoffe werden aus den verschiedensten Gegenden bezogen.
Baumwoll- und Seidenstoffe, Samte, Papier, Draht und Binde
garne liefern deutsche, elsässer, wie englische und französische
Firmen, ganz besonders aber sind Schweizer Häuser an der
Lieferung beteiligt. Staubfäden und künstliche Früchte bezieht
die Firma aus Spezialfabriken in dem schon genannten sächsi
schen Orte Sebnitz, ferner aus Paris, und teilweise von Mün
chener Hausarbeiterinnen.
Neben der Herrschaft über den lokalen Markt — durch
großen Detailhandel in einem eigenen Ladengeschäft — ist die
Firma J. v. Heckei in den bedeutendsten Ländern der Welt
konkurrenzfähig geworden. Deutschland, England, Frankreich,
Österreich, Nord- und Südamerika, Italien, Skandinavien, Ruß
land, Australien und Kanada zählen zu ihren Absatzgebieten.
Ein anderer Betrieb, die alteingesessene Blumenfabrik Joh.
Wenzel, arbeitet nur für den Engros-Verkauf und den Export,
da die Konkurrenz am Platze selbst eine zu große ist. Beim