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gelernte Arbeiter als Bildhauer, Maler, Stukkateure und For
mer, alle anderen Arbeiten können von ungelernten Arbeitern,
deren München auch eine erhebliche Zahl aufweist, nach einiger
Zeit vollständig bewältigt werden. Der Betrieb ist infolge
dessen sehr ausdehnungsfähig und vermag bei entsprechend
breiter finanzieller Basis eine Industrie von Weltruf zu werden.
Zur Zeit unserer Erhebung beschäftigt das Unternehmen als
in einer ruhigen Geschäftszeit ca. 20—25 Arbeiter, während
sich die Arbeiterzahl in der Hochsaison auf etwa 50 beläuft.
Die Löhne werden durchweg nach Stunden berechnet. Die
geringsten Löhne erhalten die Hilfsarbeiter mit dem ortsüblichen
Tagelohn von 55 Pfennig pro Stunde, während die Stukkateure
und Bildhauer den Höchstlohn von 95 Pfennig und eine Mark
für die Stunde beziehen. Die Arbeiter, die mit Ausnahme ein
zelner, als Virtuosenarbeiter, Arbeiterorganisationen angehören,
sind meist in München ansässig.
Heimarbeiter beschäftigt das Unternehmen noch keine. Je
doch will man die bekanntlich sehr notleidenden Handwerker
klassen der Vorstädte und auch der Innenstadt zur Heimarbeit
erziehen, indem man ihnen kleinere Arbeiten zur endgültigen
Fertigstellung überläßt. Ob die Durchführung dieser Aufgabe,
die zugleich sozialpolitisch für München von größter Wichtig
keit ist, gelingt, ist, wie uns von maßgebender Seite erklärt
wurde, nur eine Frage der Zeit.
Heute in der Zeit des Kapitalismus sind wir soweit, daß
wir allgemein daran festhalten: im Großbetrieb sehen wir die
Zukunft und die Unterlage der gewerblichen Arbeit für den
Massenbedarf. Solange persönliche Bedürfnisse vorliegen, wird
das Handwerk leben können. Bei individueller Arbeit ist der
Ausdruck leicht zu finden, wie es die Geschichte der Hand
werksprodukte zeigt. Für die Massenproduktion, die heute das
Problem der gewerblichen Produktion darstellt, fehlt dagegen
sehr leicht ein Maßstab für den richtigen Ausdruck. Und doch
werden in den großbetrieblichen Arbeitsstätten Produkte ge
schaffen, die ihrem Ausdruck nach dem gleichwertig sind, was
die alte Handwerkskunst uns früher gegeben hat. Gerade für
München ist es die großbetriebliche gewerbliche Produktion,
die eine Zukunft haben wird, wenn sie Qualitätsarbeit leistet,