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Der Wettbewerb des
Chilesalpeters nach
dem Kriege und das
englische Kapital.
Wenn aber unsereStickstoffindustrie lebensfähig
bleiben muß, wird damit auch ein Monopol uner
läßlich? — Bereits oben konnte ich ausführen, wie
sich nach Abschluß des Krieges wahrscheinlich der
Stickstoffmarkt für Deutschland gestalten wird, und daß überreichlichem
Angebot möglicherweise nicht ausreichende Nachfrage gegenüberstehen
kann. Es kommen aber noch die verschiedensten Umstände hinzu, um
diese voraussichtliche Gestaltung des Marktes gerade für die deutsche
Stickstoffindustrie bedrohlich, ja verhängnisvoll zu machen:
Zunächst ist zu bedenken, daß die Salpeterausbeutung in Chile zun>
überwiegenden Teil in den Händen englischen Kapitals ist. Zwar sind
nach einer Angabe der Hamburgischen Handelskammer neuerdings auch
einige Bremer und Hamburger Firmen dort beteiligt, deren Werke, wie
vorsichtig gesagt wird, eine Leistungsfähigkeit von etwa 600 000 Tonnen
Salpeter, gleich rund 76 000 bis 80 000 Tonnen Salpeterstickstoff be
sitzen. Wieviel bisher gefördert, wie groß nicht die Leistungsfähigkeit"
sondern die Leistung dieser Werke war, ist nicht angegeben. Nur wird
gesagt, daß eine der vier Firmen die Ausbeute noch nicht aufgenommen
habe. — Aber selbst bei voller Ausnutzung ihrer Leistungsfähigkeit wür
den diese deutschen Firmen doch nur etwas mehr als ein Sechstel der für
1913 festgestellten Gesamtgewinnung an Chilesalpeter mit rund 2 800 000
Tonnen, gleich 434 000 Tonnen Salpeterstickstoff, in den Händen haben
und damit kauin irgendwie maßgeblichen Einfluß ausüben können.
Wohl aber darf man als sicher annehmen, daß daß das für die Salpeter-
ausbeutung maßgebende englische Kapital nach dem Kriege einmal im
wohlüberlegten Selbstinteresse, und zweitens in Fortsetzung des wirt
schaftlichen Kampfes gegen unser Vaterland alles tun wird, um die ihm
bereits nahezu eigene Monopolstellung auf dem Stickstoffmarkt, der jetzt
zum erstenmal von Deutschlands Stickstoffindustrie eine wirkliche Gefahr
droht, zu festigen und auszudehnen. Der Absicht wird mit zähem bri
tischem Zielbewußtsein das Vollbringen folgen, wenn Deutschland den
wohl kaum wiederkehrenden Zeitpunkt heut verpassen sollte. Bereits
jetzt hat man von englischer Seite Versuche gemacht, den chilenischen
Salpeterausfuhrzoll zu pachten, wie glaubwürdige Nachrichten melden.
Zwar ist das Ansinnen bislang abgewiesen worden, aber man weiß
nicht, wie lange der Widerstand dauern wird, da Chile schwer unter den
Wirkungen des Krieges leidet. Schon für das Jahr 1914 hat die Sal-