Full text : Wie muß sich das Stickstoff-Monopol gestalten?

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salpeterweltverbrauch  befand,  wenngleich  Frankreich  ihm  noch  um
einige  Tausend  Tonnen  Stickstoff  voran  war.  Neben  einem  mäßigen
Verbrauch  an  Ammoniakstickstoff  bezog  Belgien  jährlich  annähernd
50  000  Tonnen  Chilesalpeterstickstoff.  Da  jo.  nun  Wohl  zu  erwarten  ist,
daß  Deutschland  nach  Friedensschluß  einigen  wirtschaftlichen  Einfluß
auf  Belgien  besitzen  wird,  und  weiterhin  billige  Wasserfracht  den  Handelsverkehr ­
  mit  Kunstdüngemitteln  nach  Belgien  weitgehend  erleichtert,
so  wird  voraussichtlich  hier  sich  eine  höchst  erwünschte  Gelegenheit  für
den  Absatz  deutscher  Jnlandsstickstoffdüngemittel  bieten.  Auch  für  die
Niederlande  werden  die  Wasserstraßen  und  die  weitgehenden  Handelsbeziehungen, ­
  wie  endlich  für  Belgien  wie  für  die  Niederlande  die  geringen ­
  Entfernungen  gegenüber  dem  überseeischen  Chile  dem  deutschen
Stickstoffdünger  verhältnismäßig  günstige  Absatzgelegenheiten  in  Aussicht ­
  stellen;  denn  die  Niederlande  sind  mit  rund  40000  Tonnen  Stickstoff, ­
  die  sie  bisher  größtenteils  als  Chilesalpeter  bezogen  hatten,  auch
ein  starker  Verbraucher.  Es  wird  gelten,  hier  durch  eine  klug  vorausschauende ­
  Preis-  und  Handelsvertragspolitik  der  deutschen  Stickstoffherstellung ­
  ein  weites  Absatzgebiet  zu  erringen.  Die  zunächst  vielleicht ­
  Jahre  andauernde  Schwierigkeit,  für  Massengüter  nach  dem
Frieden  billigen  llberseeschiffsraum  zu  erhalten,  wird  den  Wettbewerb
deutscher  Stickstoffdünger  hier  als  leidlich  aussichtsvoll  erscheinen
lassen  können,  wenn  er  geschickt  geleitet  wird,  und  seine  Kräfte  nicht
im  Kampf  der  verschiedenen  Herstellungsmethoden  untereinander  verbraucht. ­
  Auch  hier  könnte  der  Nutzen  eines  Monopols  oder  ähnlicher
Einrichtungen  beträchtlich  sein.
Ganz  besonders  sind  aber  die  Aussichten  auf  Versorgung  der  mit
der  Zeit  sich  entwickelnden  Landwirtschaft  in  Österreich-Ungarn  und  in
Rußland  für  die  deutsche  Stickstoffherstellung  bedeutungsvoll.  Österreich-Ungarn ­
  ist  bislang  nur  ein  ganz  schwacher  Verbraucher  von  Düngestickstoff ­
  gewesen.  Rußlands  Bedarf  war  noch  geringer  oder  etwa  gleich
groß,  wenn  man  nur  die  westlichenGebietsteileRußlands  inBctracht  zieht.
Es  kann  indessen  keinen!  Zweifel  unterliegen,  daß  beide  Staaten  nach
Friedensschluß  in  einer  planmäßigen  Förderung  und  Entwicklung  ihrer
Landwirtschaft  ein  ganz  wesentliches  Hilfsmittel  zur  Steigerung  der
allgemeinen  Wohlfahrt  und  der  Einnahmequellen  des  Staates  erblicken
werden.  So  wird  für  die  günstig  gelegenen  landwirtschaftlichen  Bezirke ­
  auch  der  Gebrauch  des  Düngestickstoffs  sich  ausdehnen  und  voraus-
            
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