Full text : Die oberschlesische Kohlen- u. Eisenindustrie

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die  Brieger  und  Breslauer  durch  gute  Schleusen  umgangen  werden ­
  konnten,  während  über  die  anderen  die  Oderkähne  mit  großer
Gefahr  Hinweggleiten  mußten.  Der  schlesische  Kaufmannsstand,
vor  allem  aber  die  oberschlesische  Montanindustrie  litt  unter  diesen ­
  Schiffahrtsmängeln  sehr,  und  häufig  wurde  bittere  Klage
über  die  Vernachlässigung  Schlesiens  gegenüber  den  anderen
Provinzen  des  Staates  insbesondere  Rheinland  und  Westfalen
geführt^).  !  ,  i ;
Die  Regierung  vertröstete  diese  Klagen  mit  dem  Versprechen, ­
  gute  Eisenbahnen  bauen  zu  wollen,  doch  wurde  treffend
erwidert,  daß  die  in  Aussicht  gestellten  Eisenbahnbauten  die
Oderschiffahrt  nie  überfliissig  machen  würden^).  Es.  wurden
denn  auch  1844—1848  225  000  <M  zur  Verbesserung  der  Oder
vom  Staate  bewilligt.  Dadurch  sollte  eine  Fahrwassertiefe  von
1  Meter  auch  bei  niedrigstem  Wasserstande  erzielt  werden.  In
der  Zeit  von  1848  bis  1858  wurden  dann  noch  3  Millionen  M
für  Oderstrombauten  verausgabt,  doch  reichten  diese  Mittel  nicht
aus,  diese  Bauten  auch  zu  erhalten.  Nach  1858  wurde  für  die
Schiffahrtsstraßen  im  ganzen  preußischen  Staate  fast  garnichts
getan,  da  die  Eisenbahnbauten  im  Vordergrund  des  Interesses
standen,  und  in  der  Tat  auch  die  Benutzung  der  Wasserstraßen,
selbst  des  Rheines  stark  zurückging.  Die  Folge  dieser  Vernachlässigung ­
  war,  daß  die  Verfassung  des  Oderstromes  immer  kläglicher ­
  wurde.  Mit  Recht  wies  man  darauf  hin,  daß  der  Hauptgrund ­
  darin  zu  suchen  sei,  daß  der  Oderstrom,  soweit  schiffbar,
ausschließlich  preußisch  ist  und  seine  Instandhaltung,  weil  keine
Verträge  mit  dem  Ausland  wie  z.  B.  beim  Rhein  und  der  Elbe
zu  beachten  wären,  lediglich  dein  guten  Willen  der  Regierung
überlassen  ist.
Inzwischen  aber  traten  die  Mißstände  des  Privatbahnsystems ­
  in  ausbeuterischen  Frachttarifen  grell  zu  Tage,  und  die
Regierung  erblickte  in  den  Wasserstraßei:  ein  wirksames  Gegenmittel, ­
  das  sie  sogleich  in  Anwendung  nahm.  1874  erfolgte  die
schon  in  den  1840er  Jahren  von  dem  schlesischen  Provinziallandtage ­
  geforderte  Errichtung  der  Oderstrombauverwaltung  in  Breslau, ­
  welche  die  Regulierungsarbeiten  des  Oderstromes  energisch
1)  „Zwei  Wünsche  aus  Oberschlesien."
2)  W.  Tietze,  S.  27  ff.
            
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