Full text : Die oberschlesische Kohlen- u. Eisenindustrie

1)  ©.  Gothein  II.  S.  361.

no  —

dem  Seetransport  nur  einen  kurzen  und  besten  Binnenwasserweg ­
  zu  überwinden  haben.
Dagegen  kommen  für  Oberschlesteir  inländische  Erzlagergegenwärtig
  weniger  in  Betracht,  vielmehr  können  ausländische
Erze  von  2  Richtungen  bezogen  werden.  Einmal  die  österreichisch-ungarischen ­
  auf  einem  180—750  Kilometer,  die  russischen ­
  auf  einem  zirka  1500  Kilometer  langen  Eisenbahnweg,
und  dann  hauptsächlich  die  schwedischen,  die  nach  dem  relativ
kurzen  Seeweg  einen  670  Kilometer  langen  und  bisher  nur  beschränkt ­
  leistungsfähigen  Wasserweg  in  Verbindung  mit  einerteueren
  60  Kilometer  langen  Eisenbahnanschlußstrecke  überwinden ­
  müssen,  um  auf  den  Hochofen  zu  gelangen.
Aus  dieser-  transportkostenmäßigen  Unterlegenheit  Oberschlesiens ­
  gegen  Rheinland-Westfalen,  die  auch  nach  Ausbau  der
Oder-Klodnitz-Großschiffahrtsstraße  gemildert  fortbestehen  wird,
ergibt  sich,  daß  die  Erzkosten  der  oberschlesischen  Eisenprodukte
stets  höher  als  die  der  rheinisch-westfälischen  sein  werden.
Wir  fügen  ein,  daß  wir  den  Faktor  1)  zerlegt  haben  in  a)
Erzmaterialkosten,  b)  Kraftmaterialkosten.  Indem  wir  Weber
folgen  und  die  Erzmaterialkosten,  in  denen  sowohl  hinsichtlich
Oberschlefiens  wie  Rheinland-Westfalens  zum  bedeutenden  Teile
Transportkosten  enthalten  sind,  in  Transportkosten  uinrechncn,
haben  wir  den  Standortsfaktor  2)  erledigt.  Was  den  Faktor  1)
nun  betrifft,  so  haben  wir  gesehen,  daß  infolge  der  bedeutend
günstigeren  natürlichen  Grundlagen  des  vberschlesischen  Steinkohlenbergbaues ­
  die  Kohlenkosten  wie  gegenwärtig  auch  in  Zukunft ­
  voraussichtlich  niedriger  sein  werden  als  in  Rheinland-Westfalen.
  Die  infolge  des  geringeren  Ausbringens  der  oberschlesischen ­
  Kokskohle  heute  noch  um  ein  Kleines  höheren  Kokskosten ­
  der  oberschlesischen  Eisenindustrie  werden  bei  fortschreitender ­
  Güte  der  vberschlesischen  Kokskohlensörderung  voraussichtlich ­
  soweit  reduziert  werden  können,  daß  diese  geringe
Unterlegenheit  fallen  wird.  Demnach  ist  bezüglich  der  Kraststoffkosten
  die  oberschlesische  Eisenindustrie  der  rheinisch-westfälischen ­
  ebenbürtig,  im  reinen  Kohlenmaterial  sogar  sicher  überlegen^). ­

            
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