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Was endlich den Arbeitskostenfaktor angeht, so ist Oberschlesiens
Ueberlegenheit unverkennbar. Der oberschlestsche
Eisenhüttenarbeiter ist dem rheinisch-westfälischen an Arbeitsintensität
und technischem Können völlig gewachsen, dagegen
sind die Arbeitslöhne über 20% niedriger als in der rheinischwestfälischen
Eisenindustrie*). Daher sind die Arbeitskosten
des oberschlesischen Eisenproduktes geringer als die des rheinischwestfälischen
Eisens. Es ist allerdings anzunehmen, daß bei
fortschreitender Entwicklung die oberschlesischen Löhne sich dem
Niveau der westdeutschen nähern werden. Doch halten wir es
für unwahrscheinlich, daß sie dies Niveau ganz erreichen können,
da einmal der slavische Arbeiter durch Veranlagung an eine
genügsamere Lebenshaltung gewöhnt ist, und außerdem jenseits
der nahen Grenze weite, immerhin noch unentwickelte und langsam
fortschreitende Landgebiete vornehmlich agrarischen Charakters
eine Depression ausüben werden. Um ein gewisses Verhältnis
werden die Arbeitskosten Oberschlesiens bis in ferne Zukunft
denen Rheinland-Westfalens überlegen sein.
Je nach dem Qualitätsniveau, dem sogenannten Formwert,
des Produkts ist der Anteil der Kraftmaterial- und der Arbeitskosten
an den Gesamtkosten der Produktion verschieden
hoch, er wächst mit der steigenden Verarbeitung des Grundmaterials^).
So ist die Produktionslage der oberschlesischen
Eisenindustrie gegenüber Rheinland-Westfalen völlig klar.
Ist der Erzmaterialkostenindex-Transportkostenindex ausschlaggebend
— so bei dem Roheisen, Rohstahl und den gröberen
Stahleisenprodukten —, so ist das oberschlesische Eisenprodukt
dem rheinisch-westfälischen an preislicher Konkurrenzkraft nicht
gewachsen. Dagegen wird Oberschlesiens Produktion der Rhein-1)
Ende 1913 behauptete sich trotz mehrmaliger Dementis in
oberschlesischen Industriekreisen die Nachricht, die A.-G. Friedrich
Krupp in Essen sei an die Oberschlesische Eisenbahnbedarss-A.-G. in
Friedenshütte zwecks einer Fusion herangetreten. Krupp beabsichtige,
von Oberschlesien aus den Balkan mit Kriegsmaterial zu versorgen,
da außer den Frachtrelationen auch die Verhältnisse auf
dem Gebiete der oberschlesischen Verfeinerungsarbeit günstig seien.
2) A. Weber I, S. 166 ff.