Full text : Die oberschlesische Kohlen- u. Eisenindustrie

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der  Differenzierung  der  Zölle  aus  Eisen  und  KohleH.  Der
Zoll  auf  Roheisen  wurde  auf  30  Kop.,  Gußeisenfabrikate  von
75—170  Kop.  auf  60—140  Kop.,  Stahl  von  60—100  Kop.  auf
50—80  Kop.,  Blechfabrikate  von  170  Kop.  auf  140  Kop.  pro  Pud
herabgesetzt.  Obgleich  diese  Zölle,  vor  allem  der  für  Roheisen,
keine  wesentliche  Ermäßigung  brachten,  so  trat  mit  dem  Handelsvertrag ­
  doch  eine  gewisse  Stetigkeit  in  den  Handelsbeziehungen
Deutschlands  und  Rußlands  ein,  die  vordem  gefehlt  hatte.  Die
russische  Regierung  hatte  zum  ersten  Male  auf  die  zolltarifarische
Autonomie  verzichtet,  die  sie  so  lange  auf  Drängen  der  russischen
Industriellen  zur  Erhöhung  der  Zollmauern  gebraucht  hatte^).
Allerdings  hatte  sie  nach  ihrem  eigenen  Urteil  mehr  Zugeständnisse ­
  erhalten  als  gemacht^).  Wenn  immerhin  nach  1894
die  deutsche  Einfuhr  nach  Rußland  sehr  zunahm,  so  hatte  die
oberschlesische  Industrie  doch  keinen  Anteil  daran^).
Inzwischen  war  unter  den  energischen  Maßnahmen  der
russischen  Jndustrialisierungspolitik  besonders  die  südrussische
Kohlen-  und  Eisenindustrie  herangewachsen,  der  durch  die  hohen
Zölle  der  sichere  Besitz  des  inländischen  Marktes  verschafft  worden
war.  Die  großen  Lieferungen  für  die  beschleunigten  Eisenbahnbauten ­
  der  „Periode  Witte"  1894—1899  wurden  ausschließlich
den  nationalrussischen  Werken  zu  sog.  „Liebesgaben"-Preisen
in  Auftrag  gegeben^).  Nur  geringere  Quanten  höher  verarbeiteter ­
  Eisen-  und  Stahlwaren  konnten  einigermaßen  leistungsfähig ­
  in  preislicher  Konkurrenzkraft  über  die  russische  Zollmauer
gleiten.  Dagegen  war  der  Absatz  der  oberschlesischen  Steinkohlen ­
  nach  Polen  weiter  sehr  rege^).  Ende  der  1890er  Jahre
machte  sich  sogar  eine  große  Kohlennot  in  der  polnischen  Eisenund
  Textilindustrie  bemerkbar,  sodaß  die  Regierung  sich  1900
1}  Die  Zölle  auf  Steinkohle  und  Koks  wurden  nur  bis  1898
gebunden,  während  der  Vertrag  auf  10  Jahre  geschlossen  wurde.
1897  erfolgte  die  Erhöhung  des  Zolles  auf  Steinkohle  von  1—4  Kop.
auf  1,5—6  Kop.,  auf  Koks  von  1,5—6  auf  2,25—9  Kop.  pro  Pud.
2j  V.  Wittfchewsky,  S.  182.  E.  Zweig,  S.  51.  A.  Friedrich,  S.  35.
3)  V.  Wittfchewskr,,  C.  175  ff.
4)  P.  Arndt,  S.  27.
5)  v.  d.  Brüggen.  In  dieser  Zeit  wurden  für  Eisenbahnbauten
vom  Staate  1273  Mill.  Rubel  ausgegeben.
6)  F.  Thieß.  Handelsbericht  des  Konsulats  Riga  1900,
Serie  l,  No.  47.  A.  Friedrich,  S.  50,  65.
            
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