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genötigt sah, Warschau, Lodz und anderen Industriestädten, sowie
der Südwest-ahn die zollfreie Einfuhr oberschlestscher Steinkohlen
bis auf weiteres zu gestatten. Die einbrechende russische
Jndustriekrisis und der Krieg mit Japan machten dem erfreulichen
Aufschwung ein jähes Ende, wovon Oberschlesien besonders
benachteiligt wurde. Der Preissturz auf dem russischen
Markt war enorm, sodaß die hohen Zölle mit ihrer ganzen
Schwere wirkten. Deshalb nahm die oberschlesische Industrie
frühzeitig Vorbereitungen auf, bei Ablauf des Handelsvertrages
von 1894 und Abschluß eines neuen für Oberschlesien günstigere
Tarife zu erwirken, umsomehr als die russische Regierung zur
Stärkung ihrer durch dfe schwere Krisis arg geschwächten Industrie
schon am 13. Januar 1903 einen Generaltarifentwurf
herausgab^), der die Differentialzölle (westliche Landesgrenze —
See) wieder einführte und die Zölle für Eisenwaren stark
steigerte. Die agrarischen Interessen im Deutschen Reich andererseits
boten alles auf, die deutschen Getreidezölle zu erhöhen.
Der neue Handelsvertrag wurde am 15. (28.) Juli 1904
mit der Geltungsdauer bis 1916 abgeschlossen. Er brachte
neue Benachteiligungen der oberschlesischen Industrie. Die
deutschen Zölle auf Getreide waren erhöht, die für Bau- und
Nutzholz sowie pflanzliche Öle usw. herabgesetzt. Rußland dagegen,
seinem Prinzip getreu, „Vergünstigungen auf dem Gebiete
seiner Jndustriezölle nur insoweit zu bewilligen, als seiner
Ausfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse bedeutende Erleichterungen
zugestanden werden^)", erhöhte die Zölle auf Eisenund
Stahlbleche, bearbeitete Gußeisenwaren, Eisen- und Stahlwaren
wie Messer, Handwerkszeugs und Geräte, Maschinen
mit Ausnahme solcher für den landwirtschaftlichen Betrieb.
Roheisen wurde aus dem Vertragstarif ausgelassen. Als das
Primäre der beiderseitigen Zollsteigerungen erscheinen die
deutschen Agrarzölle, die für das am deutschen Getreidemarkt
anr meisten beteiligte Rußland Lebensfrage sind. Fraglos sind
die Erhöhungen der russischen Jndustriezölle lediglich Gegenmaßnahmen
gegen die deutschen Getreidezölle. Die dem deut-1)
V. Wittschewsky, C. 182.
2) V. Wittfchewskr), S. 372.
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