Full text : Die oberschlesische Kohlen- u. Eisenindustrie

stand  des  Vaterlandes  fordere  unbedingt  Schutz  und  Erhaltung
der  seine  Selbständigkeit  begründenden  Produkte,  so  daß  sie
unabhängig  vom  Auslande  mit  der  Zunahme  der  Bevölkerung
und  des  Bedürfnisses  in  steigenden  Mengen  gewonnen  werden
möchten').  Wichtigstes  Interesse  der  Regierung  aber  sei,  daß
die  eigene  Industrie  des  Eisens,  des  unentbehrlichsten  aller  Metalle, ­
  welches  jeder  Industrie  die  Werkzeuge  und  der  Macht  die
Waffen  liefert,  dem  Lande  erhalten  bleibe.  Dann  aber  müsse
sie  dafür  sorgen,  daß  die  Erzeugungsanstalten  rentieren,  denn
nur  dann  könnten  sie  gedeihen.  Obgleich  1846  eine  Zollkonferenz ­
  der  am  meisten  beteiligten  Zollvereinsstaaten  die  Sicherung
des  Eisengewerbes  durch  einen  ausreichenden  Schutzzoll  befürwortet ­
  hattet),  drangen  die  freihändlerischen  Bestrebungen
durch,  indem  der  Roheisenzoll  um  25  Prozent  ermäßigt  wurde.
Da  der  übrig  bleibende  Zoll  zu  niedrig  war,  um  einen  wirksamen ­
  Schutz  zu  gewähren,  waren  die  Eisenwerke  auf  ihre  eigene
Kraft  angewiesen,  ihren  Betrieb  technisch  zu  modernisieren  und
die  Produktion  zu  steigern  in  dem  Maße,  als  es  ihnen  gelang,
die  trotz  des  Zolles  übermächtige  Konkurrenz  Englands  aus  dem
Felde  zu  schlagen.  Dabei  gingen  viele  deutsche  Betriebe  ein,
die  ihre  Produktionskosten  nicht  annähernd  auf  das  niedrige
Niveau  der  englischen  herabsetzen  konnten").  Dazu  setzte  allmählich ­
  ein  beständiges  Sinken  der  Preise  ein,  das  aus  dem  Mißverhältnis
  der  gestiegenen  Produktion  und  der  weichenden  Nachfrage ­
  resultierte;  ein  völliaes  Stocken  des  Absatzes  war  die  Folge.
Hiervon  wurde  auch  der  Steinkohlenbergbau  betroffen,  dessen
Hauptabnehmer  ja  die  Eisenhütten  waren.
Die  Eisenbahnbauten  wurden  von  der  oberschlesischen  Industrie ­
  als  Eröffnung  eines  neuen  industriellen  Aufschwungs
lebhaft  begrüßt^).  Jetzt  erhielt  die  seit  ihrer  Entstehung  mit
den  ungünstigsten  Verkehrsverhältnissen  kämpfende  oberschlesische ­
  Montanindustrie  ein  leistungsfähiges  Eisenbahnnetz,  das

1)  L.  Wachter  I  I  I,  S.  VI.
2)  L.  Wachter  I,  S.  15.
3)  Hier  wirkten  die  sicherheitspolizeil.  Vorschriften  Preußens
und  des  Zollvereins  bedeutend  ein,  Lasten,  welche  die  englische
Industrie  nicht  zu  tragen  brauchte.  (Auch  heute  noch  nicht.)
4)  Die  „Oberschles.  Eisenbahn"  wurde  1841  genehmigt  und  bis
1859  eröffnet.
            
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