Full text : Die oberschlesische Kohlen- u. Eisenindustrie

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verdrängen,  der  billige  Sah  von  1  Silberpfennig  pro  Zentnermeile ­
  —  2,2  Pfennige  pro  Tonkilometer  für  Kohlenzüge  nach
Berlin  eingeführt.  Dieser  erste  „Einpfennigtarif"  wurde  aber
bald  wieder  fallen  gelassen.  Auch  wurden  alle  etwa  vorgenommenen ­
  Frachtermäßigungen  durch  gleich  hohe  oder  noch  höhere
bei  den  wettbewerbenden  Jndustriebezirken  und  durch  das  starke
Sinken  der  Seefrachten  von  England  nach  Stettin  wieder  praktisch ­
  unwirksam  gemacht.  So  konnten  die  Eisenbahnen  keine
wesentliche  Erweiterung  des  Absatzgebietes  der  oberschlesischen
Kohlen-  und  Eisenindustrie  mit  sich  bringen.  ,
Die  Umwälzung,  die  die  Eisendarstellung  durch  das  von
Henry  Bessemer  1856  erfundene  Bessemerverfahren  erfuhr,
brachte  für  die  oberschlesische  Eisenindustrie  neue  Not,  da  für
dieses  sog.  „saure"  Verfahren  die  englischen  Eisenerze  mit  ihrem
geringsten  Phosphorgehalt  vorzüglich  geeignet  waren  und  die
massenhafte  Schmiedeeisen-  und  Stahlfabrikation  begünstigten.
Die  englischen  Produkte  wurden  so  befähigt,  noch  tiefer  als  bisher ­
  in  Deutschland  einzudringen,  zu  einer  Zeit,  da  der  Eisenbahnbau ­
  enorme  Mengen  Schienen  und  anderen  Materials  anforderte. ­

In  Folge  der  Stockung  des  Absatzes  mußte  das  oberschlesische ­
  Eisen  teilweise  unter  den  Selbstkosten  verkauft  werden.
Daß  die  Eisenindustrie  trotzdem  nicht  gänzlich  zusammenbrach,
ist  dem  Umstand  zu  danken,  daß  in  Oberschlesien  früher  als  anderswo ­
  Kohlenzeche  uird  Eisenhütte  vergesellschaftet  zusammen
arbeiteten,  sie  teilten  Freude  und  Leid.  Durch  diese  Fusion,  die
ihren  letzten  Ursprung  in  der  physiokratischen  Theorie  hatte,  daß
die  Hütte  garnicht  selbst  produzieren  sondern  nur  Ersparnisse
gegen  den  aufgestellten  Ökonomieplan  machen  könne,  also  als
Annex  der  Kohlengrube  zu  betrachten  sei,  konnten  die  Eisenhüttenbesitzer ­
  das  tiefe  Sinken  der  Eisenvreise  aushalten^).  Sie
mußten  dann  freilich  auf  den  Gewinn  aus  ihrer  eigenen  Kohlenund
  Eisenerzproduktion  Verzicht  leisten.  Dagegen  gingen  die
kleineren  Hüttenwerke,  die  weder  Kohlen  noch  Eisenerze  selbst
förderten,  sondern  alle  Materialien  kaufen  mußten,  nach  und
nach  eirU).

1)  L.  Wachter.  H.  Solger,  S.  129  ff.
2)  H.  G.  Heymann,  S.  216  ff.

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