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westfälischen Löhnen nach der Lohnstatistik erscheint Oberschlesien
tatsächlich relativ wie absolut ungünstiger.
Die Kohlengrubenlöhne betrugen pro Schicht:
in
für die eigentl. Bergarbeiter
Oberschi. Rheinld.-Westf.
für sämtl. Bergarbeiter
Oberschl. Rheinld.-Westf.
1908
4,04 dt
5,27 dH
3,62 dH
4,46 dl
1909
3,97 dl
5,33 dH
3,48 dH
4,49 dl
1910
3,91 dl
5,37 dH
3,44 dH
4,54 dl
1911
3,98 dH
5,55 dH
3,48 dl
4,69 dl
1912
4,22 dl
6,02 dH
3,64 dl
5,03 dl
Während in Rheinland-Westfalen die Löhne
andauernd in
den letzten Jahre gestiegen sind, sind sie in Oberschlesien von
dem Hochkonjunkturjahr 1908 an bis 1911 beständig gesunken,
und sie sind dem absoluten Betrage nach bedeutend niedriger als
die des Westens.
In der Rubrik „eigentl. Bergarbeiter" erscheinen nicht nur
die höchstentlohnten Häuer, sondern auch die ihnen beigegebenen
Schlepper und Wagenstößer, Burschen von 16—21 Jahren, die
natürlich weniger verdienen. Nun liegen die Betriebsverhältnisse
so, daß in Oberschlesten die Zahl der Schlepper und Wagenstößer
größer als die der Häuer ist, während im Ruhrbergbau
gerade das umgekehrte Verhältnis herrscht*). Solange die
Statistik nicht die dringend erforderliche Spezialisierung
a) Häuer b) Schlepper, Wagenstößer aufweist, ist aus den
Zahlen kein Schluß auf den allgemeinen Lohn des erwachsenen
Bergmannes zu ziehen. Die oberschlesischen Industriellen behaupten,
daß der normale Häuer auch in Oberschlesten gut verdiene,
meist über 6 dl pro Schicht, ja sogar 7—9 dH. Die stärkere
Steigerung der Ruhrbergbaulöhne werde reichlich ausgeglichen
durch andere Zuwendungen, die der oberschlesische Arbeiter
in weiterem Umfange von den Jndustrieverwaltungen
erhalte. So sei die Menge der jährlichen Freikohlen des oberschlesischen
Bergmannes größer als die des westdeutschen, nämlich *•
5—7 To. pro Arbeiter, ferner würden ihm Lebensrnittel aller
Art, besonders Kartoffeln, Kraut, Seefische von den Verls
infolge der größeren Flößmächtigkeit Oberschlesiens.
Ferner ist die Zahl der hochentlohnten, aufsichtsührenden Arbeiter
in den von Schlagwettern gefährdeten Ruhrgruben größer als in
den von solchen Wettern freien obevschlesischen Zechen.