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•der Frauen an der Industrie. Da hauptsächlich heute noch die Frauen
der untersten und mittleren Schichten beruflich tätig sind, die oberen
Schichten aber seltener ihre Töchter zur Berufsarbeit erziehen, so wird
naturgemäß die Besetzung der Stellen am stärksten sein, die die
meisten Aussichten auf Erwerb für die unteren Klassen bieten; daher
auch die starke Beteiligung an der Landwirtschaft und Industrie.
Die mittleren sozialen Kreise sind allmählich auch völlig an den Ge
danken einer Berufsarbeit der Töchter gewöhnt. Aber da sie bis jetzt
immer noch für eine gute Ausbildung wenig übrig hatten, sondern rasche
Erwerbsmöglichkeit für die Mädchen suchen in der Hoffnung einer nur
vorübergehenden Berufstätigkeit bis zur Ehe, so konnten diese Frauen
nur für Stellen in Betracht kommen, die keine großen Kenntnisse
voraussetzen. Erst seit sich die Erkenntnis durchgerungen hat, daß
der Beruf doch recht vielen dauernde Unterkunft gewähren muß, ver
breitet sich auch die Berufsvorbereitung der Frauen, und sie können
mehr und mehr auf selbständigere Stellungen Anspruch erheben. Diese
Umwandlung in der Ansicht über die Berufsarbeit der Frau und damit
verbunden die gründliche Ausbildung für einen Beruf ist erst eine Er
scheinung der allerletzten Jahrzehnte. Sie muß sich daher besonders
da geltend machen, wo geeignete Stellen für besser vorgebildete Frauen
.sich finden, wo gelernte Arbeit in des Wortes weitester Bedeutung
verlangt wird. Eine Steigerung findet sich daher im Handel und Verkehr
und in den öffentlichen und freien Berufen, wenn auch hier noch gering,
Ja die Bewegung erst in den Anfängen steht. Eine relative Abnahme
müssen die Berufe aufweisen, die von jeher ein Tätigkeitsgebiet für
Frauenarbeit waren, wenn sie auch zahlenmäßig eine Steigerung
erfahren haben; also Industrie und häusliche Dienste. Die Heranziehung
von Frauen zu diesen Berufen hat sich in einem bedeutend geringeren
Maße vollzogen, daher haben sie relativ eine Verringerung erfahren.
Eine starke Abnahme muß aber entsprechend der absoluten Abnahme
die Dienstbotengruppe auf weisen.
Bei der starken Zunahme der Frauenarbeit ist wichtig, zu wissen,
in welchen Berufsstellungen das weibliche Geschlecht tätig ist, da sich
doch immerhin daraus ein Bild gewinnen läßt von der Besoldung der
Frauen und ihrer Lebenshaltung und sozialen Stellung. Im allgemeinen
geht die Entwicklungsrichtung dahin, durch Vergrößerung und Er
weiterung der Betriebe die Zahl der Selbständigen stetig zu vermindern.
Selbständige werden immer in der Minderzahl sein bei einer auf Arbeits
teilung aufgebauten Volkswirtschaft, da der Bedarf an leitenden
Kräften bei diesem System naturgemäß kleiner sein muß als an aus-
führenden. Es waren