Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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den  von  dem  Bergrat  von  Bilfinger  zwischen  Kochendorf  und  Jagstfeld  ausgeführt; ­
  ein  Unternehmen,  das  von  dem  besten  Erfolge  begleitet  war.  Wertvolle
Anregungen  zur  Durchführung  dieser  Aufgabe  hatte  auch  die  Pachtgesellschaft
von  Offenau,  vornehmlich  aber  der  Salinen-Direktor  Thon  gegeben.  Am  17.
August  1812  wurde  das  Bohrloch  durch  den  Bergmann  Meinold  angesetzt.  Nachdem ­
  man  durch  den  Kalkstein  bei  einer  Teufe  von  360  Fuß  auf  Gips  gestoßen
war,  ergab  sich  bei  380  Fuß  Teufe  eine  1  bis  2°/>  haltige  Sole,  deren  Gehalt
bei  einer  Teufe  von  400  Fuß  am  2.  September  1815  bis  auf  8%  stieg.  Im
Frühjahr  1816  erreichte  Meinhold  dann  bei  475  Fuß  Teufe  das  eigentliche
Steinsalz.  Das  Bohrloch  wurde  nun  bis  auf  524  Fuß  Teufe  gebracht,  wobei
einige  Zwischenlagen  von  Gips  und  Ton  durchbohrt  wurden,  ohne  daß  man  das
Lager  ganz  durcbsunken  hatte.  Dieser  Erfolg  sollte  zu  einem  glänzenden  Kapitel
in  der  Wirtschaftsgeschichte  Württembergs  führen,  gleich  bedeutungsvoll  auch
dadurch,  daß  sich  die  Nachbarländer  diesen  Bohrerfolg  durch  gleiche,  ebenfalls
erfolgreiche  Bohrversuche  wirtschaftlich  zu  nutze  zu  machen  wußten.  Das  erfolgreich ­
  niedergebrachte  Bohrloch,  nicht  zuletzt  eine  Folge  der  glücklichen  Wahl  des
Terrains  durch  den  Bergrat  v.  Bilfinger,  führte  zur  Gründung  einer  neuen
Saline,  die  nach  ihrem  Schöpfer  König  Friedrich  von  Württemberg  den  Namen
Friedrichshall  führen  sollte  Z.  Angeregt  durch  diesen  Bohrerfolg  auf  württembergischem
  Gebiet  ließ  nunmehr  die  hessische  Regierung  durch  den  Geologen
Hofrat  Carl  Glsnk  in  der  Nähe  von  Wimpffen  ähnliche  Versuche  unternehmen,
die  zu  Anfang  des  Jahres  1818  erfolgreich  waren  und  die  zur  Gründung  der
Saline  Lugwigshall  Anlaß  gaben.  Die  Saline  erhielt  ihren  Namen  nach  dem
Großherzog  Ludwig  von  Darmstadt.  Auf  Grund  aller  dieser  Erfolge  entschloß
sich  auch  Baden  zu  einem  gleichen  Vorgehen.  Die  in  dieser  Absicht  vorgenommenen ­
  Versuche  bei  Mühlbach  und  Heinsheim  blieben  erfolglos,  da  man  sie  zu
nahe  am  Ausgehenden  unternommen  hatte.  Die  badische  Regierung  ließ  sich
jedoch  durch  diese  Mißerfolge  zu  weiteren  Versuchen  keineswegs  abhalten;  im
Jahre  1822  hatte  Baden  denn  auch  die  Genugtuung,  etwa  1 *  1 / 2  Stunden  von
Friedrichshall  entfernt,  bei  Rappenau  ein  reiches  Steinsalzlager  zu  erbohren.
So  hatte  der  glänzende  Bohrerfolg  Württembergs  vom  17.  August  1812  die
weittragende  Folge,  am  unteren  Neckar  eine  blühende  Salinenindustrie  ins  Leben
zu  rufen,  die  von  der  weitgehendsten  wirtschaftlichen  Bedeutung  werden  sollte.
Das  günstige  Bohrergebnis  auf  württembergischem  Gebiet  führte  im  Jahre
1816  zur  Anlage  einer  Saline,  die  gelegentlich  eines  im  April  1820  erfolgten
Besuches  König  Wilhelms  von  Württemberg  von  diesem  zum  Andenken  an  seinen
hochseligen  Vater  „Friedrichshall"  benannt  wurde.  Es  wurde  ein  Siedehaus
mit  einer  Siedepfanne  und  zwei  Wärmpfannen  errichtet,  sowie  mehrere  Solenbehälter ­
  geschaffen.  Bereits  im  März  1817  begann  man  mit  dem  Abteufen
eines  Salzschachtes,  der  von  dem  ersten  Bohrloch  in  einer  Entfernung  von  etwa
100  Fuß  angelegt  wurde 2 ).  Die  Länge  des  Schachtes  wurde  zu  19 1 / 2  Fuß
und  die  Breite  auf  18  Fuß  bemessen.  Die  Schachteinteilung  sah  einen  Fürder-,
Kunst-  und  Fahrschacht  vor.  Die  Abteufarbeiten  gingen  zuerst  durch  18  Fuß
Dammerde,  dann  arbeitete  man  im  Kalkstein.  Ende  Mai  1817  war  man  bis
auf  50  Fuß  Teufe  angelangt,  als  eine  ganz  ungewöhnliche  Ueberschwemniuug

1)  I.  D.  G.  Memminger,  Württembergisches  Jahrbuch  1821.  S.  303.
1)  I.  D.  G.  Memminger,  Württembergisches  Jahrbuch  1821.  S.  306.
            
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