Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

146

Sole  mit  einem  Salzgehalt  von  25  %.  Die  Sole  sammelte  sich  in  dem  unteren
Teil  des  Sumpfes,  wo  diese  von  einer  Pumpe  ständig  in  dem  Grade  abgesaugt
wurde,  als  von  oben  das  Süßwasser  in  das  Steinsalz  trat.  Dieses  Auflösungsverfahren ­
  konnte  in  dem  Sumpf  10  bis  12  Wochen  lang  fortgesetzt  werden,
dann  wurde  eine  Reinigung  des  Sumpfes  von  den  am  Boden  lagernden  Tonund
  Gipsteilen  notwendig.
Das  bei  der  Scheidung  in  der  Grube  gewonnene  reinere  Steinsalz  wurde
zum  Schacht  befördert  und  dort  in  Gefäßen  von  8  Zentnern  Fassungsraum  zu
Tage  gebracht.  Hier  stürzte  man  das  Fördersalz  in  die  Hängebank  aus  und
zerschlug  es  mit  großen  Fäusteln;  gleichzeitig  wurden  die  in  der  Grube  noch
übersehenen  unreinen  Salzstücke  ausgeschieden.  Dieses  unreine  Salz  wurde  nach
einem  über  Tage  befindlichen  Auflösungssumpf  geschafft,  wo  eine  Anreicherung
der  aus  der  Grube  geförderten  Sole  bis  zu  20  Pfund  aus  den  Kubikfuß  erfolgte.
Die  Verarbeitung  des  reinen  Steinsalzes  ging  in  der  nahe  beim  Schacht  gelegenen
Mühle  vor  sich,  wo  die  Zerkleinerung  erfolgte.  Die  Salzstücke  wurden  zuerst
einem  Paar  kannelierten  Walzen  zugeführt,  die  eine  Länge  von  7  Fuß  und  eine
Stärke  von  12  Zoll  besaßen.  Die  Walzen  leisteten  in  der  Minute  10  Umdrehungen, ­
  wobei  sich  in  der  Stunde  70  Ztr.  Salz  in  zerkleinertem  Zustande
ergaben.  Das  zerkleinerte  Salz  wurde  nunmehr  auf  gewöhnliche  Mahlgänge
gebracht,  die  das  Salz  zu  Pulver  zermahlten.  Die  Zahl  der  Mahlgänge  betrug
vier.  Die  Mahlsteine  besaßen  einen  Durchmesser  von  3 1 / 2  Fuß,  leisteten  220
Umdrehungen  in  der  Minute  und  lieferten  pro  Gang  35  Ztr.  Salzmehl  in  der
Stunde.  Zum  Betriebe  eines  jeden  Mahlganges  waren  3  Pferdekräfte  erforderlich, ­
  die  als  Wasserkraft  aus  dem  Kocher  entnommen  wurden.  Dieselbe  Wasserkraft, ­
  durch  drei  unterschlächtige  Räder  gewonnen,  diente  auch  als  Betriebskraft
bei  der  Förderung  und  bei  dem  Quetschwerk.  Für  die  Bedienung  des  Quetschwerkes, ­
  das  ebenfalls  3  Pferdekräfte  beanspruchte,  sowie  für  die  Wartung  zweier
Mahlgänge,  waren  10  Mann  erforderlich,  die  in  8-stündiger  Schicht  arbeiteten.
Die  Gesamtproduktion  in  8-stüudiger  Arbeitszeit  betrug  500  Ztr.  Salzmehl;
das  Gedinge  für  den  Zentner  belief  sich  auf  2,57  Pfg.  War  das  Salz  fertig
gemahlen,  so  wurde  die  Verpackung  in  Fässern  oder  Säcken  vorgenommen  und
hierauf  das  Salz  in  das  Magazin  zuni  Lagern  übergeführt.
Die  Verpackung  des  Salzes  erfolgte  entweder  in  Fässern  zu  8  resp.  4  Ztr.
oder  in  Säcken  zu  2  resp.  1  Ztr.  Inhalt.  Die  Verpackungskosten  stellten  sich
wie  folgt:
1  Faß  zu  8  Ztr.  Inhalt  —  17  Sgr.  2  Pfg.  1  Sack  zu  2  Ztr.  Inhalt  —  4  Sgr.  7  Pfg.
1  „  „4  „  „  =  12  „  10  „  1  „  „  1  „  „  =  3  „  9  „
Nach  der  Füllung  wurden  Fässer  und  Säcke  plombiert.  Bis  zum  Jahre
1855  war  der  Schacht  auf  370  Fuß  abgeteuft.  Durchschnittlich  wurden  um
diese  Zeit  auf  dem  Bergwerk  „Wilhelmsglück"  30  Bergleute  und  18  Förderleute ­
  beschäftigt.  In  den  letzten  Jahren  ging  die  Gewinnung  des  Steinsalzes
im  regelmäßigen  Pfeilerbau  mittelst  der  Schlämm-  und  Schießarbeit  vor  sich.
Die  letzten  Abbaustrecken  besaßen  eine  Breite  von  10  in  mit  Sicherheitspfeilern
von  8  in  Stärke.  Für  das  Göppelwerk  zur  Förderung,  für  das  Brechwalzwerk
und  vier  Mahlgänge  benutzte  man  Wasserkraft.  Aehnlich  für  eine  1880  erbaute,  370
in  lange  Drahtseilbahn,  welche  das  Salz  von  der  Mühle  zu  der  auf  der  andern
Seite  des  Kochers  gelegenen  Station  Wilhelmsglück  beförderte.  Das  Steinsalzbergwerk ­
  „Wilhelmsglück",  dessen  Salz  sich  durch  eine  hervorragende  Reinheit
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.