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schieden hohe Heiratsalter in den einzelnen Berufen erkennen. Die
Bauarbeiter heiraten, wenn man :die Gesamtzahl betrachtet, nicht
unerheblich früher.als: die übrigen Industriearbeiter. Von 1000 Bau-
arbeitern im Alter von unter 25 Jahren sind bereits 78 verheiratet,
bei den übrigen Industriearbeitern dagegen erst 56. Auch bei der
nächsthöheren Altersgruppe der 25- bis 30jährigen stellt sich das
Verhältnis auf 637 gegen. 608 je 1000 Personen. Das Heiratsalter
liegt am niedrigsten bei den Bau-Werkmeistern. Hier sind schon
19.% der unter 25jährigen verheiratet; — die absolute Zahl dieser
Werkmeister ist mit 102 allerdings sehr klein. Fast ebenso hoch
ist der Anteil bei den Betonbaufacharbeitern. Von den Bauhilfs-
arbeitern, den Kunststein- und Terrazzoarbeitern, den Asphaltierern
und Brunnenbauern sind rund 11 bis 12 % der unter 25 Jahre alten
Berufsangehörigen verheiratet. Erheblich niedriger liegt der Prozent-
satz bei den Putzern und Stukkateuren mit 6%, den Maurern mit
5.% und bei den Glasern und Töpfern mit 2 bis 3% %, Bei den
Altersgruppen der 25- bis 30jährigen sind die Unterschiede wesent-
lich geringer; in diesem Alter sind in allen Berufen nahezu zwei
Drittel der Berufsangehörigen verheiratet. Unter dieser Grenze
bleiben die Glaser dieses Alters, bei denen nur rund 50% ver-
heiratet sind, sowie die Töpfer und die Brunnenbauer mit 57 %.,
Diese niedrigeren Ziffern dürften auf die größere Möglichkeit einer
Verselbständigung in den genannten Berufen zurückzuführen sein,
da die Heirat häufig bis zur Gründung oder Uebernahme eines
eigenen. Geschäfts hinausgeschoben wird. Aehnliche Tendenzen
zeigen sich auch außerhalb der Bauarbeiterschaft. Es ergibt sich
daraus, daß das Heiratsalter offenbar davon abhängig ist, ob. sich
die wirtschaftliche Stellung in Zukunft noch ändern kann. In den
Berufen, in denen noch größere Möglichkeiten eines Uebergangs
zur Selbständigkeit bestehen. und in denen sich deshalb auch die
ehemals patriarchalische Einbeziehung der Gesellen in den Haushalt
des Meisters noch am stärksten erhalten hat, ist das Heiratsalter am
höchsten. Je geringer die Aufstiegsmöglichkeiten sind, je weniger
also mit einer nachhaltigen Besserung der wirtschaftlichen Lage und
der Einkommensverhältnisse gerechnet werden kann, desto größer
ist die Neigung, früh zu heiraten. Kommt hierzu noch eine gewisse
Sicherung des Arbeitsverhältnisses, wie dies zum Beispiel für große
Teile der Beamtenschaft der Reichsbahn und Reichspost gilt, so sinkt
das Heiratsalter noch weiter.