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wendet. Eine solche Richtung von einiger Stärke fehlte aber vor einem Jahr
hundert. Der Siegeslauf der Ideen des wirtschaftlichen Liberalismus wurde
durch die Lebensordnung des damaligen Weltkrieges nicht aufgehalten.
An der gegenwärtigen Lebensordnung fällt vor allem in die Augen, daß
sich die Menschen durch sie stärker als früher in ihren Entschlie
ßungen beeinflußt fühlen, was im allgemeinen als Last empfunden
wird. Insbesondere die Erzeugung und der Verbrauch vieler Dinge unterliegt
zahllosen Regelungen, ebenso die gesamte Verteilung der Lasten und An
nehmlichkeiten. ln der Verkehrswirtschaft wird jeder Mensch als Kaufmann
angesehen, der durch Kauf und Verkauf Gewinn zu erzielen trachtet. Da
man Qewinnzunahme als Belohnung, Gewinnabnähme als Strafe bestimmter
Maßnahmen auffassen könnte, dürfte man mit Recht die Frage aufwerfen,
wodurch sich denn die Lebensordnung der Verkehrswirtschaft von der gegen
wärtigen Lebensordnung grundsätzlich unterscheidet, die in vielen Fällen Unter
lassung von Arbeit bestraft, die Durchführung belohnt. Ein wesentlicher
Unterschied ist wohl darin zu erblicken, daß die Verkehrswirtschaft zwar Nach
teile an gewisse Maßnahmen oder Unterlassungen knüpft, diese aber nicht
grundsätzlich steigert, wenn der Einzelne bei diesen Maßnahmen oder Unter
lassungen beharrt. Anders steht es z. B. dagegen heute. Wenn einem Men
schen bestimmte Arbeiten im Rahmen eines Produktionsplanes vorgeschrieben
sind, und er verringert die Arbeit, wobei er bereit ist, die Strafe in Kauf zu
nehmen, so sucht die Zentralgewalt dies möglicherweise dadurch zu ver
hindern, daß sie die Strafe steigert und schließlich bis zur Drohung mit der
Vernichtung der Einzelperson geht. Die Verkehrswirtschaft kennt nur den
psychologischen Druck der Marktverhältnisse, welcher ja zuweilen
nicht unerheblich ist, die gegenwärtige Lebensordnung dagegen einen grund
sätzlich unbeschränkten Druck.
Die größere Ausbreitung der organisierten Wirtschaft und der entspre
chenden Ideenwelt, was sich vor allem darin äußert, daß eine doch immerhin
beachtenswerte Zahl von Denkern die neue Ordnung der Dinge als Vorläuferin
kommender Wandlungen begrüßt, während dies in den napoleonischen Kriegen
weit weniger der Fall war, erklärt sich vor allem daraus, daß die Ab
bröckelung der Verkehrswirtschaft schon lange vor dem Welt
krieg eingesetzt hatte. Gewisse verwaltungswirtschaftliche Maßnahmen hatten
ohnehin immer bestanden ; hierzu zählt ja das ganze Steuersystem. Dazu
kam noch, daß der Staat immer häufiger in das Kartellgetriebe regelnd eingriff
und sich an Kartellen beteiligte. Man mußte bereits viele Jahre vor dem
Kriege in solchen „S t a a t s k a r te 11 e n“ und „S t a a t s t r u s t s“ eine Wirt
schaftseinrichtung erblicken, die eine große Zukunftsbedeutung hatte. Ab
gesehen von solchen verwaltungswirtschaftlichen Erscheinungen staatlicher Art
haben auch die Kartelle selbst einen Teil ihrer Wirksamkeit auf wesent
lich verwaltungswirtschaftliche Maßnahmen gegründet. Wenn etwa ein Außen
seiter durch Preisherabsetzungen niederkonkurriert wurde, war kein unmittel
barer Reingewinn zu erzielen. Vielmehr bestand der Vorteil darin, daß weitere
Außenseiter abgeschreckt wurden. Überdies gab es Kautionen, die verfallen
konnten, also unmittelbare Strafleistungen ermöglichten. Wir sehen so allerlei
Übergänge, welche von der Verkehrswirtschaft zur gegenwärtigen Lebensord
nung führen. '
Während wir nun für die an dem einen Ende stehende Verkehrswirtschaft
eine abstrakt-schematische Bearbeitung besitzen, fehlt eine solche für die ent
gegengesetzte Lebensordnung, welche sich während des Weltkrieges in er
heblichem Maße durchsetzte, vorher anbahnte. Wir haben nicht einmal einen
allgemeinen Namen dafür, daß nicht der Einzelne durch seine Tauscherwä
gungen den Ausschlag gibt, sondern eine Zentralstelle, welche unter Um
ständen die Willensentschließungen aller vereinigen mag. Wir bringen dafür
den Ausdruck „Verwaltungswirtschaft“ in Vorschlag. Die Verwaltungswirt
schaft treffen wir ebenso dort an, wo Kartelle eine zentrale Führung in der
Fland haben, wie dort, wo dieselbe Regierungsstellen anvertraut ist, wir finden
sie aber ebenso auch innerhalb der geschlossenen Hauswirtschaft, innerhalb
jedes Unternehmens, welches im allgemeinen zwischen seinen Teilen keine