Full text : Die deutsche Ölmüllerei

104  HI.  Die  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  von  1870  bis  zur  Gegenwart.

derjenigen  Englands  und  Hollands.  So  wurden  die  deutschen
Ölmühlen  zu  immer  weiteren  Fortschritten  gedrängt,  indem  sie
gezwungen  wurden,  auf  ständige  weitere  Herabsetzung  der  Produktionskosten ­
  bedacht  zu  sein,  die  kleineren  Ölmühlen,  um
sich  ihre  Absatzgebiete  gegenüber  den  größeren  billiger  produzierenden ­
  zu  erhalten,  die  größeren,  um  die  ausländische  Konkurrenz ­
  vom  deutschen  Markte  zu  verdrängen  bzw.  femzuhalten.
  Diese  Bestrebungen  nach  einer  möglichst  großen  Herabsetzung ­
  der  Unkosten  haben  uns  die  großindustrielle  Entwicklung ­
  in  der  Ölmüllerei  gebracht,  und  zwar  sind  es  vornehmlich
drei  Momente,  welche  von  Einfluß  auf  diese  Entwicklung  gewesen ­
  sind.  Unter  den  treibenden  Kräften  gebührt  der  Hauptanteil ­
  der  Technik;  mit  ihr  müssen  wir  uns  daher  an  erster  Stelle
beschäftigen.
Wir  haben  im  vorigen  Abschnitte  gesehen,  daß  die  Einführung ­
  der  neuen  Technik  eine  bedeutende  Betriebsvergrößerung
in  den  meisten  Fällen  zur  Folge  hatte.  Parallel  mit  dieser  Zunahme ­
  der  Zahl  der  Maschinen  und  des  täglich  verarbeiteten
Saatquantums  ging,  wie  ich  ebenfalls  ausgeführt  habe,  eine
bedeutende  Vermehrung  der  Arbeiterzahl.  Als  nun  mit  dem
großen  Aufschwünge  aller  Industriezweige  in  den  siebziger
und  achtziger  Jahren  eine  starke  Nachfrage  nach  Arbeitskräften
sich  einstellte  und  infolgedessen  die  Arbeitslöhne  bedeutend
stiegen,  machte  sich  in  der  Ölindustrie  allmählich  das  Bestreben
geltend,  die  Handarbeit  nach  Möglichkeit  durch  mechanische
Mittel  zu  ersetzen,  um  auf  diese  Weise  die  Produktionskosten
herabzumindern.  War  in  der  verflossenen  Zeitperiode  das  Bestreben ­
  der  Techniker  in  erster  Linie  auf  möglichste  Ausnutzung
des  Rohstoffes  durch  intensivere  Arbeitsmethoden  gerichtet  gewesen, ­
  so  trat  nunmehr  der  Ersatz  der  „Arbeit“  durch  „Kapital“ ­
  in  den  Vordergrund.  Dadurch  entstanden  für  die  Technik ­
  neue  Aufgaben.
Stellen  wir  zunächst  einmal  fest,  wo  bisher  überall  Handarbeit ­
  in  den  Ölmühlenbetrieben  erforderlich  war.  Zu  diesem
Zwecke  wollen  wir  uns  noch  einmal  kurz  den  Fabrikationsgang
vergegenwärtigen:  War  die  Ölsaat  im  Fabrikhof  angekommen,
so  wurde  sie  zuerst  zur  Einlagerung  in  die  Saatspeicher  befördert. ­
  Dort  wurde  sie  meistens  lose  in  einer  mehrere  Zentimeter
hohen  Schicht  ausgebreitet  und  durch  tägliches  Umschaufeln
(namentlich  bei  frischer  Saat)  trocken  erhalten.  Zur  Verarbei ­
            
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