Full text : Die deutsche Ölmüllerei

106  HI.  Die  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  von  1870  bis  zur  Gegenwart.

sie  dann  durch  eine  mechanische  Vorrichtung  in  die  eine  Etage
tiefer  befindlichen  Walzwerke,  aus  denen  das  geschrotete  Saatgut ­
  durch  einen  schrägen  Kanal  selbsttätig  in  das  Erdgeschoß
weiter  befördert  und  dort  ursprünglich  in  einen  Kasten,  später
direkt  auf  den  Kollergang  geleitet  wurde.  Da  sich  eine  kontinuierliche ­
  Speisung  des  Kollerganges  nicht  bewährt  hatte,  hatte
man  hier  eine  sinnreiche  Einrichtung  getroffen,  um  das  geschrotete ­
  Saatgut  direkt  auf  diese  Maschine  zu  leiten  und  dennoch
einen  ununterbrochenen  Betrieb  des  Walzwerkes  zu  ermöglichen, ­
  indem  man  nämlich  am  oberen  und  unteren  Ende  der
Saatzufuhrleitung  im  Erdgeschoß  Klappen  anbrachte,  welche  so
angelegt  waren,  daß  die  eine  sich  schloß,  wenn  die  andere  sich
öffnete.  Durch  diese  Einrichtung  sparte  man  einerseits  eine
Arbeitskraft,  welche  sonst  damit  beschäftigt  werden  mußte,  das
geschrotete  Saatgut  auf  den  Ölgang  zu  schaufeln,  andererseits
aber  war  auch  eine  viel  bessere  Ausnutzung  dieser  Maschine
gewährleistet,  da  das  Füllen  des  Ölganges  jetzt  in  ganz  kurzer
Zeit  vonstatten  ging.
Brachten  auch  derartige  Vereinfachungen  im  Transporte
der  Ölsaaten  eine  Verminderung  der  früher  hierzu  benutzten
menschlichen  Arbeitskräfte,  so  war  es  von  diesen  Anfängen
mechanischer  Förderung  bis  zu  dem  heutigen  Stande  der  Fortbewegung ­
  der  Ölsaaten  in  Ölfabriken  doch  noch  ein  weiter  Weg.
Dieser  wurde  beschritten  mit  der  Einführung  von  Elevatoren,
Transportschnecken,  Förderspiralen,  Förderrinnen,  Fördergurten,
Kratzentransporten  usw.,  welche  in  den  siebziger  und  achtziger
Jahren  allgemein  in  der  Ölmüllerei  Eingang  fanden  und  seither
von  immer  größerer  Bedeutung  für  diesen  Industriezweig  geworden ­
  sind.  Ihre  Benutzung  ist  in  den  heutigen  großen  Ölfabriken ­
  so  ausgedehnt,  daß  auf  dem  ganzen  Wege  vom  Dampfer, ­
  Last-  oder  Eisenbahnwagen,  auf  welchem  das  Rohmaterial
in  der  Ölmühle  anlangt,  über  die  Speicher,  Reinigungs-,  Zerkleinerungs-
  und  Wärmemaschinen  kaum  noch  menschliche  Arbeit  benötigt ­
  wird.  Näher  auf  die  Verwendung  dieser  Transportmittel
im  einzelnen  einzugehen,  dürfte  überflüssig  sein,  da  ja  deren
Anwendung  allgemein  bekannt  ist,  und  es  nur  auf  eine  zweckmäßige ­
  Zusammenstellung  der  einzelnen  vertikalen  und  horizontalen ­
  Fortbewegungsmittel  ankommt,  um  den  oben  angedeuteten
Effekt,  nämlich  die  Ausschaltung  menschlicher  Tätigkeit,  zu  erreichen. ­

            
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