108 HI. Die Ausbildung des Fabrikbetriebes von 1870 bis zur Gegenwart.
üblichen Methoden der Magazinierung von Getreide sowohl wie
Ölsaaten, nämlich die der Lagerung in Bodenspeichern unter
möglichst ausgedehntem Luftzutritt und die der Aufbewahrung
in sogen. Silospeichern unter Luftabschluß.
Von diesen beiden Methoden war die der Bodenspeicherung
bis Ende der neunziger Jahre in Ölfabriken die allgemein ge
bräuchliche. Die Bodenspeicher sind große saalartige Räume,
die in mehreren, häufig vier bis fünf Etagen übereinander liegen,
ln ihnen werden die Saatvorräte entweder in Säcken oder lose
in einer 50 bis 100 cm hohen Schicht aufgestapelt. Lose Lage
rung wendet man besonders bei frischer und feuchter Saat an,
die dann täglich, bzw. zwei- bis dreimal wöchentlich umge
schaufelt wird (sogen. Umstechen der Saat), bis die Saat ge
nügend trocken ist, um ohne Selbsterwärmung lagern zu können.
Wie schon oben ausgeführt, geschah die mit der Aufbewah
rung in derartigen Bodenspeichern verbundene Arbeit bis in die
siebziger Jahre fast ausschließlich durch menschliche Arbeits
kräfte, und erst von diesem Zeitpunkte an fanden mechanische
Förderungsmittel Aufnahme. Immerhin war aber auch nach Ein
führung der Elevatoren, Förderungsbänder usw. menschliche
Arbeit nicht ganz zu entbehren, mußte doch sowohl bei Ent
nahme der Saat dieselbe durch Arbeiter an die Fallrohre ge
schaufelt werden, als auch namentlich das „Umstechen“ der
Saat durch Menschenhand geschehen. Um auch hier menschliche
Arbeitskräfte entbehren zu können, versieht man seit Ende der
achtziger Jahre die Bodenspeicher wohl mit sogen. „Rieselvor
richtungen“. Zu diesem Zwecke 3 ) haben die Schüttböden Öff
nungen von 30—40 mm Durchmesser in Entfernungen von i/ 4
bis 1/2 m, welche durch flache Schieber reihenweise verschließ
bar sind. Unter den Löchern sind keilförmige Vorrichtungen an
gebracht, welche die auslaufenden Körner herumspritzen und
im Fallen mit der Luft reichlich in Berührung bringen. So kann
man die Saat von einem Stockwerk in das andere lassen und
vom letzten Stockwerk mit Förderband und Becherwerk ent
weder in die eigentliche Ölmühle oder wieder in das oberste
Stockwerk des Speichers befördern. Auf diese Weise ist es ge
lungen, den Bodenspeicher, was mechanischen Transport der
Saat anbelangt, vollkommen auszustatten, da ihm aber an und
3 ) Ubbelohde, 1. c. Bd. I, S. 377.