Full text : Die deutsche Ölmüllerei

1.  Die  treibenden  Kräfte.

117

Die  Zahl  der  an  den  Pressen  beschäftigten  Arbeiter  hat
sich  nur  in  den  Ölfabriken  um  eine  Person  vermindert,  in  denen
der  vollständig  automatisch  arbeitende  Kuchenschneider  eingeführt ­
  ist.  Wohl  aber  ist  die  Zahl  der  Pressen  gestiegen,  welche,
trotz  der  jedesmal  größeren  Charge  der  Presse,  von  derselben
Zahl  Arbeiter  bedient  werden  kann.  Wir  haben  im  vorigen  Abschnitte ­
  erfahren,  daß  vier  Arbeiter  zwei  bis  drei  Pressen  ä  3  bis
10  Kuchen  bedienen  konnten;  heute  fand  Verfasser  Ölfabriken,
in  denen  von  vier  Arbeitern  zehn  Pressen  ä  16  Kuchen,  bzw.
neun  Pressen  ä  24  Kuchen  bedient  wurden.  Eine  derartige
enorme  Arbeitssteigerung  der  an  den  Pressen  beschäftigten  Personen ­
  ist  erst  möglich  geworden  mit  der  Einführung  der  Kuchenformmaschinen, ­
  mit  deren  Hilfe  eine  17kuchige  Presse  in  drei
Minuten  geladen  werden  kann.  (Allerdings  ist  auch  die  Preßdauer ­
  aus  Gründen  einer  besseren  Ölausbeute  verlängert  und
beträgt  heute  meistens  1/2—1  Stunde.)
Deutlich  zeigt  sich  die  Herabminderung  der  Zahl  der  benötigten ­
  Arbeitskräfte,  bzw.  die  Erhöhung  der  Leistung  des
einzelnen  Arbeiters  auch  an  folgenden  Zahlen:  Um  1870  kamen
in  der  Dampfölmühle  in  Mainz  (nach  Neußer  System  eingerichtet) ­
  an  verarbeiteter  Menge  Rapssaat  auf  jeden  der  an  den  Pressen ­
  beschäftigten  Arbeiter  in  12  Stunden  ca.  510  kg 18 );  in  einer
vom  Verfasser  befragten  modernen  Ölfabrik  auf  jeden  Arbeiter
in  12  Stunden  dagegen  ca.  1500  kg.
Über  die  Herabminderung  des  Preßtuchverschleißes  kann
leider  zahlenmäßiges  Material  nicht  gebracht  werden,  da  über
diesen  Punkt  aus  früheren  Jahren  keine  Angaben  zur  Verfügung
stehen.  Von  welcher  Bedeutung  aber  hier  jede  Verbesserung
für  die  Herabsetzung  der  Produktionskosten  ist,  dürfte  uns  klar
werden,  wenn  wir  erfahren,  daß  vor  einigen  Jahren  in  einer
großen  mit  anglo-amerikanischen  Pressen  arbeitenden  Ölfabrik
die  jährlichen  Preßtuchausgaben  mit  über  50000  M.  ungefähr
12%  der  gesamten  Fabrikationskosten  ausmachten 19 ).
Die  zweite  große  Gruppe  der  heute  im  Gebrauch  befindlichen ­
  Pressen  sind  die  sogen.  „Seiherpressen“,  welche  sich  aus

18 )  Rühlmann,  1.  c.  1.  Aufl.,  Bd.  II,  S.  333.
*•)  Auf  Grund  persönlicher  Erkundigungen.  Rohmaterialkosten  und
Handlungsunkosten,  Verzinsungs-  und  Amortisationsquote  sind  bei  den
Fabrikationskosten  nicht  mitberücksichtigt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.