118 III. Die Ausbildung des Fabrikbetriebes von 1870 bis zur Gegenwart.
den alten Topf- bzw. Kastenpressen entwickelt haben. Bei ihnen
liegt das Preßgut nicht offen in der Presse, sondern wird in
einem siebartig durchlöcherten Behälter, dem Seiher, ausgepreßt.
Bei den Topf- und Kastenpressen wurde der Samen genau wie
bei den Packpressen in Säcke oder Tücher eingeschlagen oder
in sogen. Preßbeutel eingefüllt und so verpackt in den Preßseiher
gelegt. Dabei gingen die Hauptvorteile der Seiherpresse,
welche in ihrer leichten Beschickungsmöglichkeit und dem Ersatz
der Einschlagetücher durch einfache Filterzwischenlagen
bestehen, gänzlich verloren, und die Folge davon war, daß man
sich in den folgenden Jahrzehnten von der Seiherpresse mehr
und mehr emanzipierte, bis man endlich erkannte, daß ein Einschlagen
des Preßgutes bei den Seiherpressen gar nicht nötig
sei, sondern ein einfaches Einfüllen des losen Preßgutes in den
Seiher genüge, und es zur Erzielung einer besseren Ölausbeute
lediglich notwendig sei, den Inhalt des Preßseihers durch Zwischenlagen
aus Eisenplatten und einem öldurchlässigen Gewebe
oder Geflechte in mehrere dünne Chargenlager zu zerlegen 20 ).
Dies geschah Ende der siebziger Jahre und von diesem Zeitpunkte
an machte die technische Weiterbildung der Seiherpressen
solche Fortschritte, daß man dieses Pressensystem heute
als das vollendetste von allen bezeichnen muß.
Nicht zum geringsten Teile hängt das mit der Ausbildung
der Füll- und Entleerungsmethoden zusammen, denn im Laufe
der letzten zwanzig Jahre sind dieselben durch Einführung von
kombinierten Vor- und Ausdrückapparaten (kurz Füllpressen
genannt) so vervollkommnet 21 ), daß die einzige menschliche
a**) Hefter, 1. c. Bd. I, S. 261.
zl ) Ursprünglich wurden die Seiher unter der Presse gefüllt und
entleert, da dies aber ziemlich umständlich war, ging man schon bald dazu
über, zu diesen Arbeiten den Seiher auf einen vor der Presse angebrachten
Arbeitstisch zu ziehen. Später benutzte man dann an jeder Presse, um
die Zeit, welche zum Füllen und Entleeren der Seiher nötig war, nicht
zu verlieren, zwei Seiher, von denen der eine immer unter der Presse war,
während der andere entleert und gefüllt wurde.
Da man in den Seiherpressen mit sehr hohem Druck arbeitet, hafteten
die Kuchen häufig derart fest an den Wänden des Seihers, daß sie mit
der Hand kaum herausgebracht werden konnten. Aus diesem Grunde
ging man dazu über, zum schnelleren Entleeren der -Seiher eigene Ausdrückapparate
anzuwenden, in denen die Kuchen durch einen hydraulisch
betriebenen Kolben aus dem Seiher herausgedrückt wurden. Um die jedes-